Freitag, 24.08.2012

Westjapan-Reise

Am 2. August sollte unsere Westjapan-Rundreise beginnen. Eine entspannte, erholsame Reise erwartend sind wir morgens vom Kyōto-Hauptbahnhof mit einem Direktzug nach Himeji 姫路 gestartet und…wurden schon nach 10min unterbrochen. Der Zug stand mindestens 45min still, ohne Auskunft über das eigentliche Problem zu geben. Ich habe in diesen 50min so oft „Entschuldigung“ und „Es tut uns Leid“ gehört, wie in meinem ganzen Leben nicht. Nachdem sich der Zug wieder in Bewegung gesetzt hatte, wurden wir im nächsten Ort (Nagaoka-kyō – dazu kann ich nichts sagen, weil es da nichts gab) alle rausgeschmissen und mussten 15min lang zu einem Bahnhof einer anderen Zuggesellschaft laufen. Von dort aus sind wir dann nach Ōsaka (weiter durften wir mit der anderen Zuggesellschaft nicht fahren, da das nur eine Ausnahmeregelung war. Normalerweise braucht man von Kyōto nach Ōsaka übrigens eine halbe Stunde…) und als ich dort nachgefragt habe, was die schnellste Verbindung nach Himeji sei, habe ich gesagt bekommen, wir sollen nochmal zurück nach Kyōto, weil wir ja die Zuggesellschaft gewechselt haben. Mit dieser Antwort hab ich mich allerdings nicht ganz zu Frieden gegeben, habe ihn mit deutscher Unpässlichkeit konfrontiert und immerhin konnte mir der Kollege des ahnungslosen Bahnangestellten sagen, dass wir einfach wieder die Zuggesellschaft wechseln müssen und dann direkt nach Himeji fahren können. So einfach war es dann allerdings doch nicht, da der Zug eine unplanmäßige Fahrplanänderung hatte und wir kurz vorm Ziel dann doch noch einmal umsteigen mussten. Nach etwa 3 Stunden waren wir dann allerdings da.

Nachdem wir uns nach der Ankunft in Himeji gleich unser Busticket nach Tottori 鳥取 gesichert haben (was eigentlich nicht nötig war, da wir – bis auf eine weitere Frau, die irgendwann dazu stieg – allein im Bus waren^^), haben wir uns schließlich erwartungsvoll auf den Weg zum Schloss, das direkt die Hauptstraße hinunter lag, gemacht. Zu unserer Überraschung war es jedoch fast komplett von einem Baugerüst umhüllt, da es – wie wir vor Ort nachgelesen haben – seit letztem Jahr für noch weitere 4 Jahre generalsaniert wird.

Das Glück war also so gar nicht mit uns, an diesem Tag. Zumindest bis dahin, denn als wir in das Schlossgelände rein sind, hat uns eine nette Japanerin, die freiwillig Schlossführungen macht (und auch perfekt englisch konnte!), angeboten, uns zu begleiten. Sie hat uns sehr viele interessante Sachen über das Schloss und seine Geschichte erzählt, was die bisheroigen Enttäuschungen an diesem Tag recht gut wettmachte. Nachdem wir das Schlossgelände besichtigt hatten, sind wir noch zu dem nahegelegenen Schlossgarten kōkoen 好古園 gegangen. Da dieser nicht mehr lang geöffnet hatte und unser Bus nach Tottori auch bald fuhr, mussten wir uns dort allerdings etwas beeilen und konnten nicht alles in Ruhe genießen. Schön war’s aber natürlich wie immer trotzdem!

In Tottori angekommen hat man gleich gemerkt, dass die Stadt am Meer liegt, da die Luftfeuchtigkeit nochmal höher war als in anderen Orten. Außerdem folge gleich schon die nächste Odyssee. Ich weiß nicht mehr genau warum, aber wahrscheinlich aus einer Mischung aus Geizigkeit, 360Yen für den Bus auszugeben, die fehlende Motivation, den richtigen Bus zu suchen und Philipps leicht hergesagten Worte, dass wir nur 1h zu Fuß für die 6km bis zur Herberge brauchen haben wir uns dummer Weise dazu entschlossen, tatsächlich zu laufen. Mit unserem ganzen Gepäck allerdings zog sich der Weg ins unendliche hin und raubte uns alle Kräfte. Als wir nicht mehr weit von der Herberge entfernt waren, nahm uns aber netter Weise noch ein mitleid habender Japaner mit dem Auto mit und wir sparten uns die letzten 15min  Die Herbergsfrau hatte schon auf uns gewartet, da wir etwa eine Stunde zu spät kamen und nachdem einige von uns noch kurz im o-furo waren (eigentlich dachte ich mir, „Wie kann man bei der Hitze hier auch noch in ein heißes Bad steigen!?“ aber die alte Frau hatte es ja extra für uns eingelassen…) haben wir uns endlich schlafen gelegt.

Am nächsten Tag stand dann ein erholsamer Strandtag auf dem Plan! Gleich nach dem Aufstehen sind wir zu der nahegelegenen, riesigen Sanddüne gelaufen, für die Tottori so berühmt ist. Vor allem Daniel hat sich so sehr auf die Kamele gefreut, die es dort auch geben sollte und auf denen man reiten konnte. Dort angekommen haben uns die armen Tierchen aber so Leid getan, dass wir nicht auf ihnen (1x im Kreis) geritten sind. Im Gegenteil sind wir nach einer kurzen Streicheleinheit gleich weiter auf die Sanddüne, von der aus wir einen wunderschönen Ausblick hatten und inmitten der man sich schon etwas wie in einer Wüste fühlte. Die meisten Japaner haben sich nicht getraut, von der Sanddüne aus zum Meer zu rennen, nachdem wir es ihnen aber vormachten, kamen immer mehr hinterher. Das Wasser war echt suuuuuuper! Es gab viele, schöne Wellen und die Temperatur war genau richtig! Leider nur gab es keinen einzigen Schattenplatz am Strand, weshalb mit größtenteils im Meer waren.

Die armen Kamele...

Hier geht's rauf auf die riesige Sanndüne

Und das ist der Blick von oben

Als uns das Trinken ausging beschlossen Daniel und ich, so nett zu sein und für uns alle etwas zu holen – was ein großer Fehler war. Der Sand hatte sich inzwischen so aufgeheizt, dass wir richtige Schmerzen hatten, in ihm zu laufen! Wenn möglich sind wir von Grasbüschel zu Grasbüschel gesprungen, aber selbst das war mega heiß und die gab es ja auch nicht überall. Ich glaube, das Meerwasser hat schon ein wenig gezischt, nachdem wir unsere Füße darin abgekühlt haben… Am Ende des Tages hatte jeder von uns einen Sonnenbrand, nur bei Daniel hielt es sich in Grenzen. Als wir es irgendwann alle nicht mehr in der Sonne aushielten, sind wir noch einkaufen gegangen und danach nocheinmal auf die etwas abgekühlte Sanddüne, um den Sonnenuntergang – leider ohne Daniel, da der Fieber hatte :-( - anzuschauen.

Bevor wir uns am nächsten Tag auf den Weg in die Stadt machten, sind wir noch in das Sandmuseum gegangen, was direkt neben unserer Herberge lag. Gerade war dort wegen der olympischen Spiele eine Ausstellung über Groß Britannien. Alle Figurenwurden nur aus Sand uns Wasser gebaut! Keine Klebesubstanzen oder ähnliches.

In der Stadt Tottori gab es um es kurz zu fassen nichts. Gar nichts. Wir sind die Hauptstraße ein wenig lang geschlendert, waren in der Aeon-Mall um Postkarten im McDonalds zu schreiben uns haben auf unseren Bus nach Hiroshima 広島 gewartet, der um 16Uhr abfuhr. Da Busankunft und Hotel Check-in Schluss sehr nahe beieinander lagen, mussten wir ganz schön rennen, um noch rechtzeitig ins Hotel zu kommen. Ich bin sogar in ein Taxi eingestiegen, aber der Fahrer war alt und meinte, er könne die Adresse nicht lesen (wtf!?!?!?), weshalb ich wieder gegangen bin. Nach dem Weg fragen mussten wir auch noch, weil wir irgendwo falsch abgebogen sind und im Rennen habe ich noch mit dem Hotel telefoniert, dass es bitte noch 10min auf uns warten soll. Am Ende des Tages hatten zumindest Sina und ich wunde Füße und konnten unsere Schuhe für ein paar Tage nicht mehr anziehen. Nach einer schnellen Dusche sind wir dann noch ein bisschen in der Stadt rumgelaufen, unter anderem im Friedenspark 平和の公園 am Atombombendenkmal vorbei. Dort liefen schon überall die Vorbereitung für die Gedenkfeier des Atombombenabwurfes am 6. August 1945.

Als wir am nächsten Morgen gut ausgeschlafen von unserer Massenzimmer-Herberge aufbrachen, gingen wir zunächst in das Atombombenmuseum. Im Friedenspark gibt es außerdem noch viele andere Denkmäler, die an die durch den Atombombenabwurf ums Leben gekommenen Menschen erinnern.

Das Museum

Der heutige "Friedenspark" vor dem Atombombenabwurf...

...und danach.

Diese Uhr ist genau um 8:15Uhr - als die Bombe fiel - stehen geblieben

Die Protestbriefe der Bürgermeister Hiroshimas, die jedes Mal nach einem Atomtest versandt werden

Der Friedenspark

Ein Denkmal für das Mädchen Sadako, das durch die Folgen der Strahlung an Leukämie erkrankte und es sich zur Aufgabe machte, 1000 Papierkraniche zu falten, um wieder gesund zu werden

Natürlich gehört zu einem Besuch in Hiroshima auch, dass man das für die Stadt berühmte Hiroshima-Okonomiyaki isst! Eigentlich ein ganz normales Okonomiyaki, nur dass anstatt dem üblichen Teig viele Nudeln dazu gemengt sind. Mir hat es sehr gut geschmeckt :-)  

Bevor wir auch nochmal bei dem kleinen Schloss Hiroshimas vorbeigeschaut haben, haben wir uns Abends auf den Weg zu der heiligen Insel Miyajima 宮島 gemacht – das heißt, wir haben (erneut in einem Massenzimmerhostel) direkt neben der Fähre, die zur Insel führt geschlafen. Die Insel war wirklich wunder-wunderschön! Nicht nur, dass sie komplett heilig ist (was das rote Torii im Wasser verdeutlichen soll – wer die Insel früher betreten wollte, musste unbedingt durch dieses Tor fahren!) und wie in Nara auch die Rehe frei rumliefen, das Tor im Wasser war auch einfach beeindruckend und der dazugehörige Tempel, der wie ein Hafen aufgebaut ist, auch! Die Aussicht auf das Tor zählt übrigens wie Amanohashidate auch zu den 3 berühmtesten Landschaften Japans.

 

Da wir bis Abends auf der Insel bleiben wollten, da dann Ebbe ist und man zu dem roten Torii hin laufen kann, haben wir uns die Zeit mit ein wenig Fuji-training vertrieben und sind auf den Berg der Insel gelaufen. Da es so warm war, war es total anstrengend, aber für den Ausblick hat es sich gelohnt! Leider haben wir keine Affen gesehen, die auch auf der Insel leben sollen.

Auf dem Berggipfel lagen massig riiiiiesen große Steine!

Und der Ausblick war einfach super!

Wieder unten angekommen: Das große Torii...

...und der "Hafentempel" bei Ebbe.


Als wir abends zum Hostel zurück sind, wurde dort gerade eine Curry-Party veranstaltet, zu der wir uns dazu setzten und alle eine doppelte (oder Dreifache?) Portion bekamen, da Philipp und Daniel Angst hatten, sie werden nicht satt^^ Aber sogar ich hab alles aufgegessen!!! Zu meinem Erstaunen :D

Am nächsten Morgen mussten wir dann schon gaaaaanz früh aufstehen, da wir unseren Bus nach Kobe kriegen mussten, der in Hiroshima abfuhr. Dort angekommen sind wir vom Bahnhof durch das Chinatown zum Hafen und von dort aus zu einer riesig großen, in einem unscheinbarem Viertel versteckten riesigen Buddha-Statue und zu guter letzt zu der noch größeren Roboter-Statue Tetsujin 28 鉄人 28 („Metallmensch Nr. 28“) gelaufen.

Im Chinatown gab es vor allem Essen.

Der große Buddha...

...und die noch größere Roboterstatue

Von dort aus haben wir anschließen die Bahn zurück zum Hafen genommen, wo wir uns wieder den Sonnenuntergang angeschaut und die schöne Beleuchtung des Hafens genossen haben. Außerdem haben wir uns spontan dazu entschlossen, uns eine Portion des berühmten Kobe-Rinds zu teilen!:-) Es war zwar wenig, hat aber einen guten Geschmackseindruck gegeben. Allerdings muss ich sagen, dass das Fleich mir viel zu fettdurchzogen und deshalb zu schwabbelig – auch im gebratene, Zustand – ist. Das Gemüse und die Sauce dazu waren aber toll und das Gesamtpaket hat echt gut geschmeckt!

Der Hafen Kobes bei Tag...

...und Nacht

Das war dann die Endhaltestelle unserer Westjapanrundreise! Ich würde sie jederzeit nochmal machen^^ Sie war sooooo toll! Die nächsten 2 Erholungstage in Kyoto habe ich dazu genutzt, meinen Wohnsitz und die Gesundheitsversicherung sowie meinen Bankaccount und mein Handy zu kündigen. Meine Unikarte musste ich leider auch wieder abgeben :-( Am 9. August haben wir uns ein letztes Mal mit Atsushi (und Yukima, mit dem wir ja aber noch vor hatten, auf den Fuji zu klettern) am Kamogawa getroffen und am 10. haben wir noch eine kleine Stadttour in den Souvenirshop des Kyōtoer Aquariums, zurück zur Shijō, wo wir in ein wunderliches Restaurant gegangen sind (in dem man unter anderem Insekten, Uterus, Wangenfleisch etc. essen konnte (!!!) und wo seltsame Musik gespielt wurde und alles mit alten Filmplakaten zugehangen war) und nach Hause gelaufen sind.

Dienstag, 31.07.2012

Ferienstart, die vollkommenden Siebzehn(!)und Ukai 鵜飼

 Seit dem Gion-Matsuri ist wieder viiiiel passiert. Wenn nicht sogar zu viel als dass ich alles, ohne etwas zu vergessen, wiedergeben kann. Aber ich tu mein Bestes!

Während Daniel am 20.07. (ein Freitag)  seine „Study in Kyoto Program“ – Abschiedsfeier hatte, stand mir meine Prüfungswoche noch bevor. Aber gestärkt von der tollen all you can drink Party (inklusive Getränkeschlacht an der Bar, da es nach 2h sonst wieder etwas gekostet hätte) mit anschließender, obligatorischen Kamogawa-Session waren die meisten Prüfungen kein Problem!

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Zunächst kam aber das Wochenende, an dem wir mit Katharina (einer Würzburgerin von der Ritsumeikan, die wir am Freitag getroffen hatten) zum Kamigamo-jinja geradelt sind. Dort fand nämlich ein Flohmarkt statt von dem wir uns erhofften, wieder den Stand mit den „Papier“ Kranichen aus Metall zu sehen. Der war jedoch leider nicht da, dafür kam aber die Sonne zu Besuch, die jetzt, da die Regenzeit vorbei ist, eigentlich fast ausnahmslos jeden Tag meeeeeega heiß macht, sodass man auch wegen der extremes Luftfeuchtigkeit schon vom Sitzen k.o. ist. Umso glücklicher waren wir, als wir gesehen haben, dass viele Leute den Bach, der durch das Schreingelände lief, als Pool umfunktionierten und hielten auch mal unsere Füße in das kühle Nass.

Die Aussicht von einem kleinen Hügel am Kamigamo-Schrein aus

Die Flohmarktstände mitten auf dem Schreingelände

Der Hauptteil des Schreingeländes

Nachdem wir uns auch noch den Schrein angesehen haben, sind wir zunächst zum Kamogawa noch einmal ein bisschen im Wasser plantschen und danach ins Goethe-Institut, das nicht weit weg ist, gefahren, da Katharina meinte, dass es dort neben tollem, deutschen Brot auch richtiges Essen gibt. Und tatsächlich gab es dort leckere Törtchen, Bretzeln, Brot und und und. Daniel und Katharina haben sich dann noch Weißwurst und Nürnberger gekauft – ich hatte leider zuvor ein Eis gegessen und hatte deswegen und nicht zuletzt auch wegen der Hitze keinen Appetit…

Am Kamogawa :-)

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Nach meiner ersten Prüfung am Montag hatte Daniel dann seine Gutachtenübergabe, wohin ich ihn ebenfalls begleitet habe – schließlich gab es auch wieder ein Buffet für lau ;-)

Am Dienstag haben wir uns nach meiner Prüfung auf dem Weg nach Takao 高雄 gemacht, um uns den Kōzan-ji 高山寺, Nummer 14 von 17 der UNESCO Weltkulturerben Kyōtos, anzusehen. Hier soll Toba Sōjō im 12. / 13. Jhd. die berühmten Tierkarrikaturen chōjū-jinbutsu-giga 鳥獣人物戯画im  gezeichnet haben. Es hat zwar gewittert, als wir da waren, aber da es nicht sehr doll geregnet hat sondern nur gedonnert, war es eigentlich eine schöne Atmosphäre, auf dem Tempelgelände auf den Bergen. Da es in der Gegens auch noch andere Tempel gab, haben wir uns diese auch noch angesehen, bevor wir nach Hause gegangen sind.

In diesem Haus wurden die berühmten Zeichungen angefertigt.

 

Und hier der berühmteste Teil der langen Bildrolle

Am Abend wollten wir dann den Philipp, einen Freund von Daniel aus Würzburg, vom Bahnhof abholen. Leider nur hatte sein Flieger Verspätung und nach der Ankunft hat auch alles länger gedauert als gedacht, sodass er den tollen Direktzug nach Kyoto, die wir ihm rausgesucht haben, verpasst hat, wir vier Stunden am Bahnhof warten und uns schon ein wenig Sorgen gemacht haben, dass Philipp den Weg allein zu uns finden. Zum Glück aber haben wir ihn unterschätzt und er kam mit einer Flughafenbekanntschaft, die zufällig auch in Kyōto wohnt und ihn problemlos zu uns geführt hat. Allerdings mussten wir rück zu ein Taxi nehmen, da der letzte Bus bereits vor zwei Stunden abgefahren war. Daniel ist mit dem aufgekratzten Philipp dann noch einmal in den ZAZA gefahren – ich musste leider passen, so um halb 1Uhr nachts, da ich morgen wieder eine Prüfung hatte.

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Letzte Woche Freitag nach meiner Letzten habe ich mich mit Daniel und Philipp getroffen, um zum Fushimi Inari Schrien zu fahren. Ich war ja schon oft da, aber jetzt haben wir endlich mal die Wanderung durch die ganzen Tore gemacht, die ich schon seit langem vor hatte zu machen. Bei der Temperatur war es zwar nicht ganz einfach, aber schonmal ein ganz gutes Training für den Fuji-san ;-)

Immer wieedr schön!:D

Ich, Daniel und Philipp

Es war wirklich so heiß, dass eine Abkühlung mit kaltem Bergwasser wirklich mehr als nötig war!

Darf ich vorstellen: eine Zikade. Diese gibt es hier wirklich zu Genüge und sie können eine ohrenbetäubende Lautstärke erreichen!

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Gleich am nächsten Tag sind wir dann auch nochmal bis zum Fushimi Inari und noch viiiiel weiter gefaren – nämlich zum Daigo-ji 醍醐寺, nummer 15 von 17 und anschließend noch nach Uji, um uns den Ujigami-jinja 宇治上神社, alias 16 von 17, anzusehen.

Der Daigo-ji besteht aus zwei Teilen: dem älteren, 874 errichteten Teil auf dem Gipfel des Berges Daigo und dem jüngeren, 952  fertiggestellten Teil am Hang des Berges, der die Tempelanlage vervollständigte und zum Hauptsitz der buddhistischen Shingon-Sekte wurde. Obwohl die Pagode wie die anderen Gebäude der Tempelanlage im 15. Jahrhundert herrschenden Bürgerkiegen schwer beschädigt wurde, konnten sie gut restauriert worden uns zählen zu den ältesten erhaltenen Bauwerken in Kyōto.

Der Eingang...  

...und die berühmte Pagode

Diese "Sticker" wurden von zu diesem Tempel pilgernden Mönchen aufgehangen. So zu sagen um zu symbolisieren "Ich war da"

Dieses "Gartenhäuschen" am Teich ist eines der berühmtesten Sehenswürdigkeiten in Japan.

Nachdem wir den Tempel besichtigt hatten, ging unsere Radtour weiter nach Uji. Da wir zwischendurch einmal nicht die richtige Straße fanden, haben wir eine Japanerin gefragt, welche es ´denn sei, die am direktesten nach Uji führt und haben als Antwort nur bekommen „Das dauert mit dem Rad viel zu lange, nehmt die Bahn!“ Wenn die wüsste dass wir zu der Zeit schon an die 2 Stunden unterwegs waren… Letzten Endes haben wir die richtige Straße aber auch allein gefunden und haben den Ujigami-jinja besucht. Dieser liegt genau gegenüber vom Byōdō-in (der Tempel auf der 10Yen Münze) und wurde ursprünglich als dessen Wächterschrein konzipiert. Er ist zwar sehr klein, auf seinem Gelände steht aber das älteste noch erhaltene Schreingebäude!

Das sind die o-mamori ("Beschützerlies"), die an jeder Schrein- und Tempelanlage verkauft werden.

Hier konnte man in ein kleines Häuschen gehen, um sich mit schönem, kalten, klaren Wasser zu reinigen.

Das ist das älteste Schreingebäude.

Nach dieser Sport- und Kultureinlage haben wir uns dann auf in den nächsten Supermarkt gemacht und für ein Picknick eingekauft, das wir am Ujigawa, wo Daniel und ich schon das letzte Mal einen Zwischenstopp eingelegt hatten, als wir nach Uji gefahren sind, geplant hatten. Und lange hat es nicht mehr gedauert, da lagen wir auch schon auf unserer Decke uns haben gut gegessen. Mittlerweile hatte es sich auch schon etwas abgekühlt und man konnte es in der Sonne aushalten. Das Wasser vom Fluss stand allerdings viel höher als das letzte Mal, sodass wir nicht mehr zu der kleinen Steininsel laufen konnten, da die Strömung dazwischen viel zu stark war. Wenn man nicht aufpasste, wurde man in Sekundenschnelle einige Meter weggespült. Aber so konnte man schön auf einer Stelle schwimmen, wenn man die richtige Stromstärke gefunden hat.

Da in Uji der grüne Tee so berühmt ist, gibt es hier sogar Grün-Tee Automaten!

Unser tolles Picknick

 

Auf dem Weg nach Hause sind wir am Kamogawa an der San-jō angehalten, da dort der „Feuer mann“ gerade seine allabendliche Show vorführte. Endlich hatte ich dann auch mal die Gelegenheit, ihn zu fotografieren!

Nach einer kurzen Verschnaufpause haben wir uns gegen halb 10Uhr Abends dann nochmal auf den Weg zum Kamogawa gemacht –diesmal allerdings zu Fuß, da wir alle nicht mehr auf Fahrradsatteln sitzen konnten – um ein letztes mal mit Julie, Torsten und den anderen zu feiern, die wir an diesem Samstag vielleicht zum letzten mal sahen :-( Wir hatten auch extra schönes Feuerwerk mitgebracht, um es im Fluss anzuzünden. Ein ordnungsbewusster Japaner hatte dann aber leider die Polizei gerufen, die uns belehrte, dass es gefährlich ist, im Kamogawa zu spazieren. Danke, sehr aufmerksam – ist ja nicht so als könne man sich denken, dass die Steine in dem Fluss rutschig sind. Und falls sich jemand denkt „Ups, Polizei!“ – so schlimm ist das hier in Japan nicht. Polizisten sind eher dazu da, dich auf Gefahren hinzuweisen als dir Geld abzuziehen oder so.

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Vorestern dann war es soweit: Wir haben die 17 von 17 gesehen! Nach einer einwöchigen Anmeldungsdauer für die Besichtigung des Tempels  durch Briefverkehr sind wir schon um kurz nach 7 aufgestanden, um pünktlich um 10Uhr dort zu sein. Leider verpassten wir alle Busse knapp und sind deshalb mit dem Taxi vom Hauptbahnhof aus zum Tempel gefahren. Der Saihō-ji 西芳寺 ist auch unter dem Namen „Koke-dera“ 苔寺 – „Moostempel“ – bekannt, da der Boden dort wohin man auch sieht durch jahrelange „Geschichtswirren“ (so Wikipedia) vernachlässigt worden und mit Moos überwachsen ist. Der Aufbau des Gartens hat aber nachhaltigen Einfluss auf die japanische Gartenbaukunst, wie man sie zum Beispiel auch beim Gin- und Kinkaku-ji erkennen kann.

In dem Haus, in dem gebetet wurde, durfte man leider keine Fotos machen - aber so sieht es von außen aus!

Mit einem schönes Lotus-Teich

Bevor wir die Besichtigung starten konnten, mussten Daniel und ich (Philipp hat sich die Zeit allein vertrieben) aber noch an einem Gottesdienst für unser Glück und unsere Ahnen teilnehmen, in dem wir zunächst auf ein Holzplättchen Name, Adresse und unsere Wünsche schreiben und danach eine Sutra (mit)singen mussten. Das ging allerdings alles so schnell, dass wir gar nicht mit dem Lesen hinterher gekommen sind (natürlich war alles auf japanisch). Als wir damit fertig waren, haben alle ihre beschriebenen Holzplättchen auf den Altar gelegt und kurz gebetet. Das war mal eine tolle Erfahrung und hat den Eintrittspreis für 3,000Yen auch (zumindest etwas) gerechtfertigt ;-) Danach ging es nach einer kurzen Erläuterung über das Tempelgelände auf zur freien Besichtigung.

Eigentlich sollte der Garten in Herzform gestaltet sein (Daniel und ich haben uns ein Blumenbeet in Herzform vorgestellt^^), davon konnten wir aber leider nichts erkennen…

Wo man auch hinsah: Mooooooos

Nachdem die Führung fertig war, haben wir uns mit Philipp wiedergetroffen und haben uns zu Fuß auf den Weg nach Arashiyama gemacht. Nachdem wir uns kurz am Wasser ausgeruht haben, sind wir durch den Bambuswald zum Nenbutsu-ji 念仏時 gelaufen, den ich mir schon seit Ewigkeiten ansehen wollte.

Auf dem Weg zum Nenbutsu-ji kamen wir natürlich wieder an der schönen Brücke vorbei.

Uns auf dem Gelände vor dem Tenryu-ji (in dem wir mit Daniels Familie waren) hat der Lotus geblüht

Und einen Riesen-Frosch gab es da auch^^ Er wollte aber nicht für die Kamera hüpfen...

Außerdem haben wir einen wunderschönen, großen Keramikladen gefunden!

Beim Nenbutsu-ji angekommen befand sich auf dem Gelände neben eines Friedhofs eine Ansammlung von hunderten kleinen Jizō-Statuen, dem Schutzgott für Kinder. Eigentlich ist es ein Tempel, der ziemlich aufs Gemüt drückt, da dieser in der japanischen Mythologie den früh verstorbenen Kindern auf den Weg ins Jenseits weiterhilft. Die Lätzchen, die einigen Statuen umgebunden worden sind, sind von Eltern die hoffen, dass Jizō ihr Kind anhand dieses persönlichen Besitzes schneller findet.

Ein Stein als Kopfersatz

Unzählige Jizō-Statuen

Hier wurden für die verstorbenen Kinder Spielzeuge geopfert.

Da der Weg vom Nenbutsu-ji und wieder zurück zum Fluss ganz schön anstrengend war, haben wir uns, nachdem wir zurück waren, für etwa eine Stunde wieder an die gleiche Stelle an den Fluss gelegt und ein bisschen geschlummert, bevor es zum Highlight des Tages überging: Wir haben uns nämlich Karten gekauft, um die traditionelle Fischkunst mit Komoranen „Ukai“ 鵜飼von Booten aus anzusehen! Das war ein wirklich einmaliges Erlebnis. Nachdem wir gegen 7Uhr mit den Booten auf den Fluss rausgefahren sind, wurden alle aneinander gekettet und die Fischerboote sind mit Fackel uns angeleinten Komoranen unter ständigen Getrommel an uns vorbeigefahren. Die Komorane hatten eine Schnur um den Hals (ich weiß, das ist schon ziemlich brutal), sodass sie die Fische, die sie fangen, nicht runterschlucken, aber noch genügend Luft bekamen. Insgesamt sind sie 4x an uns vorbeigefahren und wir haben einen schönen Eindruck davon bekommen.

Hier wurden wir zur richtigen Stelle gefahren

Die Fischer bereiten ihre Boote vor

Hier startet der Fang and unseren in einer Reihe aufgereighten Booten entlang

Wir wissen nicht, wie sie es erkannt haben, aber sobald ein Komoran einen Fisch gefangen hat, haben die Fischer ihn ihns Boot geholt und ihn ihm wieder geklaut.

Nach dem ersten Durchgang wurden die Boote an eine andere Stelle gefahren, sodass die Leute, die auf der anderen Siete vom Boot saßen, auch mal eine gute Sicht haben.

Sogar ein Imbiss-Boot kam vorbei ;-)

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Gestern sind wir, nachdem wir nach dem gestrigen, ereignisreichen Tag erst mal gut ausgeschlafen haben, nochmal an den Kamogawa gefahren, um uns kurz zu sonnen und im Wasser abzukühlen. Komischer Weise war auch ein Kamerateam zur Stelle, das uns für die Nachrichten, die zeigen sollten, wie heiß es in Kyōto ist, ungefragt gefilmt haben. Mehrmals. Das war aber eigentlich auch ziemlich lustig. Philipp ihnen zum Beispiel, als er gerade im Fluss mit T-Shirt überm Kopf rumgetrieben ist, gesagt „Ganz egal, was ihr mich fragt, ich werde euch eh nicht antworten können.“ und sie haben nur nett gelächelt.

Seit kurzem ist jetzt auch die Sina da, die Daniel uns Philipp vor einigen Stunden vom Bahnhof abgeholt haben und unsere Rundreisegruppe ist komplett. Heute (es ist 2Uhr Nachts und Sina kann nicht schlafen) gehen wir noch einmal mit den Beiden nach Higashiyama zum Kiyomizu-dera und danach nochmal in die Innenstadt und morgen startet die dann: Die große Rundreise :-)

Donnerstag, 19.07.2012

Amanohashidate 天橋立, Gion-Matsuri 祇園祭 und ein paar Pfirsiche für 980 Yen, bitte!

Nachdem wir (Yukima, Frandra, Daniel und ich) uns am Vortag mal wieder bei Atsushi versammelt hatten, um Mario Party auf der Wii zu spielen, haben wir uns am 02. Juli auf die lange Riese von fast 2 Stunden nach Amanohashidate gemacht, was übersetzt so viel wie „Die Brücke, die zum Himmel führt“ heißt – dazu aber später. Die Reise war zwar mit 40€ die Strecke ein wenig teuer, unsere Alternative wäre aber eine Fahrt von über 3 Stunden mit 3x Umsteigen gewesen…

In dem kleinen Ort angekommen, sind wir erst einmal zum Meer gelaufen – auch an einem Tempel vorbei, wo an jedem Baum kleine Papierfächer hingen (wahrscheinlich wurden Wünsche darauf geschrieben).

Danach sind wir dann über die laaaaange Landzunge von 3,2km auf die andere Uferseite gelaufen. Leider war nicht so schönes Wetter, sonst hätten wir uns schön an den Strand gelegt und wären baden gegangen…so musste es aber reichen, im kalten Meerwasser zu spazieren.

Endlich mal kühles Meerwasser an den Füßen und im Sand rumlaufen^^

Ich habe sogar 2 Kalksteine für Chico gefunden! Wusste gar nicht, dass man die so einfach am Meer finden kann :-)

Es sind auch Taxi-Boote zwischen beiden Ufern gefahren. Wie man sieht durfte man von ihnen aus auch Möven füttern...

Auf der anderen Seite gab es allerdings nicht wirklich beeindruckende Dinge. Ein paar mehr oder weniger kleine Schreine, einen 1- Sitz Sessellift auf den Berg hinauf, um sich die Landzunge von oben anzusehen (die wir allerdings von der anderen Seite aus sehen wollten und ihn deswegen nicht nahmen) und natürlich Souvenirläden! Diese hatten allerdings schon etwas besonderes, da die Meeresnähe sich auch auf das Angebot abfärbte: überall wo man hinsah gab es Trockenfisch über Trockenfisch, über getrocknete, aufgehangene Oktopusse  über Fische am Wäschetrockner…

Tempel 1

Diese Konstruktion fanden wir sehr interessant ;-)

Tempel 2

Eine Sammlung von verwucherten Jinzo-Statuen, die Mütter für verstorbene Kinder aufgestellt haben.

Nachdem wir wieder zurück auf die andere Seite spaziert sind und uns auf dem Weg zu dem Sessellift auf dieser Seite der Landzunge machten, ist es dann passiert: Der entspannte Ausflug wurde zu einem Überlebenskampf, als Daniel sich ein Sandwich holte. Es stand zwar noch ein Warnschild geschrieben „Achtung vor den Adlern!!“ aber da Warnschilder ja in Japan nichts neues sind und auch oft zur Übertreibung neigen, haben wir das eher nichtig abgetan. Doch auf einmal, als wir vielleicht 2min von dem Stand entfernt waren, nähert sich uns von hinten ein unbekannten Flugobjekt, das Daniel beim vorbeifliegen einen Flügel ins Gesicht schlägt, ihn mit einer Kralle an der Hand streift und mit einem „Krächts“ davonfliegt. Wenigstens hat er seine Beute nicht bekommen, aber der Schreck saß tief – was man an der Lautstärke unserer Schreie sicher gemerkt hat. Bis Daniel dann aufgegessen hatte haben wir diesen Vogel nicht mehr aus den Augen verloren (er uns allerdings auch nicht). In Zukunft nehmen wir diese Tiere wohl doch etwas ernster^^

Die 1-Sitz Sessellifte, die auf die Aussichtsplattformen führen, sind übrigens die beste Attraktion überhaupt! Während man in europäischen Ländern nämlich durch eine Kette oder ähnliches  gesichert wird, scheint das dort nicht nötig zu sein. Man stelle sich vor, man säße auf einem Stuhl, der eben den Berg hochfährt. Warnschilder, dass man aufpassen soll, nicht runterzufallen, waren allerdings auch aufgestellt. Ein wenig wurde also schon auf die Sicherheit geachtet ;-) Das Beste war aber die kleine Bahn, die genau neben dem Sessellift gefahren ist.

Auf dem Weg vom Tal den Berg hoch hat man schon schnell eine gute Aussicht auf das gehabt, was einen erwartet.

Oben angekommen

Oben auf der Aussichtsplattform war ein kleiner (überflüssiger) „Vergnügungspark“ mit einem Miniriesenrad, einer durch pedalen betriebenen „Achterbahn“, Go-Kart usw. Die Hauptattraktion war aber natürlich die Aussicht! Amanohashidate zählt zu den „Drei Landschaften Japans“ (die schönsten, berühmtesten Orte, wovon die anderen beiden nahe Fukushima und Hiroshima liegen) und ist deswegen so berühmt, da die Landzunge, wenn man kopfüber durch seine Beine schaut, aussieht, als ob sie in den Himmel führt (deswegen auch der Name).

 

"Amanohashidate"

Nachdem wir uns daran satt gesehen haben, haben wir uns dann zurück auf den Weg ins Tal und ab nach Hause gemacht.

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Am 15. Juli (yoiyoiyama 宵々山, wie sich die Nacht des 15. vor dem großen Fest nennt - der 16. ist der yoiyama 宵山)sind wir auf das Gion Matsuri gegangen, in dem früher (und heute natürlich auch noch) für Gesundheit gebetet wurde und das heute ein Fest mit massig Zulauf und das Größte und Berühmteste Japans ist. Mit dem Matsuri ist meist auch die Regenzeit vorbei, was wir gerade am eigenen Leib erfahren... Es ist so heiß und schwül!!

Wir haben uns um 17Uhr mit Johanna aus meiner Uni (mit der ich auch in Gion beim Fotoshooting war) und Leuten aus Daniels Uni am Yasaka Schrien getroffen und sind dann die Shi-jo (eine Straße) heruntergelaufen, um die Essstände und die Wägen, die 2 Tage später in einer Parade die Straßen lang gezogen werden sollten, zu sehen. Da dies aber, da gerade die Straßen gesperrt wurden, gerade viel zu chaotisch und voll war, haben wir uns nach einem Abstecher im Konbini noch einmal an den Kamogawa gesetzt, bis es dunkel wurde.

Risa (vorn im Bild in Yukata) ist dann auch noch zu uns gestoßen

Die Fülle der Straße hatte sich zwar immer noch nicht aufgelöst, wenigstens wurde aber für geregelten „Verkehr“ gesorgt, indem man auf der einen Straßenseite hin- und auf der anderen zurücklief.

 

Irgendwann hatten wir dann die Wägen erreicht – da es so voll war, sind wir nach einem Foto allerdings gleich wieder umgekehrt.

  

Lance, Daniel, ich, Risa, Max und Julie - und im Hintergrund der Wagen natürlich.

Danach sind wir noch einmal zum Yasaka-Schrein zurück, haben etwas gegessen, sind dann noch einmal Purikura machen gegangen und haben uns 12Uhr Abends auf den Heimweg gemacht. Alles in allem war es ein sehr schöner Abend, aber nachdem ich bereits so viel von dem Gion Matsuri gehört habe, hatte ich mir doch etwas mehr erwartet.

 

Wir nocheinmal vor dem Yasaka-Schrein

Essensstände gab es auf dem Schreingelände in Hülle und Fülle!

Zum schluss ist unsere anfänglich kleine Gruppe dann ziemlich groß geworden...! Keine Ahnung, wer die alle waren^^

Zwei Tage später (Dienstag) fand dann der große Umzug Yamaboko Junkō 山鉾巡行 statt (der Name leitet sich von den beiden Arten der Wägen "Yama" ( das sind die Kleineren) und "Hoko" (die Großen) ab). Wir sind extra um etwa 9Uhr an der Shi-jo gewesen, um den Anfang der Parade (die übrigens 3km lang geht) mitzubekommen. Es war ein wirklich seeeeehr heißer Tag – so heiß, dass wir nach den ersten 7 Wagons beschlossen haben, lieber shoppen zu gehen als uns weiter braten zu lassen.

Der erste der 9 "Hoko" Wägen namens Naginata Hoko

In ihm saß "das heilige Kind"

Hier ist einer der 23 "Yama" Wägen

Die Wägen wurden übrigens alle ausschließlich von Menschenkraft gezogen!

...und auf ihnen saßen wagemütige Männer, die ein bisschen Musik geflötet haben.

Die meisten Geschäfte an der Shi-jo hatten allerdings wegen des Umzuges noch geschlossen und deswegen sind wir zunächst zu dem Jodobashi am Hauptbahnhof gefahren, da Daniel sich eine neue Kamera kaufen wollte und danach noch zur Aeon Mall, da ich ursprünglich Schuhe umtauschen wollte (was nicht ging), das Kaufhaus aber mit einer neuen Tasche verlassen habe :-)

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Und ja, was ist sonst noch so passiert?

Eines Abends hatten wir DIE Idee: Da Daniel so viel Kleingeld angesammelt hat, haben wir beschlossen, alles in Dragonballdosen zu investieren – in der Hoffnung, wir bekommen die seltene, goldene Dose. Doch leider war diese auch nach 16 gekauften Dosen nicht dabei :-(

Und habe ich schon einmal diese überteuerten Obst und Gemüsepreise hier erwähnt? Neulich habe ich hier tatsächliche eine Mini-Melone für 1,000 Yen gesehen, ganz zuschweigen davon, dass man Kartoffeln einzeln kaufen kann. Im Supermarkt gab es eine Kiste mit 7 Pfirsichen – wie man sich das so vorstellt natürlich jeder einzeln verpackt – für schlappe 980 Yen. Der Versuchung konnten wir allerdings nicht wiederstehen und haben es uns einfach mal gegönnt. Sie sind auch mega lecker!!

Gestern Abend (tagsüber ist wegen der Hitze zur Zeit nicht so viel möglich) sind wir außerdem mal mit dem Rad zu dem See gefahren, den ich allein mal gefunden hatte und weder Kamera noch Telefon dabei hatte. Hier die versprochenen, nachträglichen Bilder!:-)

Am liebsten wäre ich reingesprungen! Ich vermisse unseren See zu Hause -.-

Um den kleinen See führt ein schöner Weg

Eins schöne Terrasse...hier lässt es sich sicher gut entspannen!

Donnerstag, 05.07.2012

Glühwürmlchen, Fußball und Geishas

Am Montag, nachdem wir aus Shirakawa-gō zurück sind, haben wir uns gegen 20Uhr unsere Fahrräder geschnappt und sind zum Philosophenweg gefahren, um Glühwürmchen zu suchen. Und tatsächlich haben wir auch so einige an dem kleinen Bach gefunden, der an dem Weg entlangläuft. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich Glühwürmchen gesehen habe! Und die Atmosphäre, sie auf einem dunklen, stillen Weg, auf dem man kaum einem Menschen begegnet ist, zu suchen war total schön – als man mal ein kleines, grünes Licht im Dunkeln schwirren sehen hat, hatte man ein richtiges Erfolgserlebnis^^

 

Auch wenn man nicht viel sieht: ein Glühwürmchen.

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Am Mittwochabend habe ich dann einen Anruf von der Leo bekommen: Ob sie nicht morgen Abend nach Kyoto kommen soll um mit uns zusammen Fußball zu schauen. Voll spontan hat sie das auch tatsächlich gemacht, wir haben uns donnerstags kurz nach 23Uhr am Bahnhof getroffen und sind in den ZAZA-Pub, um uns freitagmorgens um 3:45Uhr das EM-Deutschlandspiel gegen Italien anzusehen. Wir haben in der Bar sogar einen Brasilianer, der in England studiert und eine deutsche Freundin hat und deswegen auch deutsch gesprochen hat, getroffen (voll verrückt).

Leider nur waren die anderen, die in der Bar waren zu einem Großteil Italienfans… (wir haben uns gefragt, wieso es Japaner gibt, die Italienfans sind…!)Nach der 1. Halbzeit haben wir dann auch andere Deutsche aus meiner Uni getroffen und sind mit ihnen in eine andere Bar gegangen, wo es 1. viiiiiel voller, 2. Viel mehr Stimmung und 3. – ganz wichtig - viel mehr Deutschlandfans gab. Schade nur, dass wir verloren haben, sonst wär der Morgen perfekt gewesen :-( Denn als wir Drei traurig um 6Uhr Morgens nach Hause sind, war es schon richtig hell und verdammt warm.

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Da ich dann erst kurz vor 7 im Bett war, hab ich es natürlich auch nicht geschafft, eine Stunde Später aufzustehen und hab mir mal erlaubt, die erste Stunde zu schwänzen. Nachdem ich später jedoch doch nochmal in die Uni musste, hab ich mich nach dem Unterricht mit Daniel und Leo, die sich ein Rad ausgeliehen hat, getroffen und wir sind nach Teramachi gefahren, um ein bisschen in den Kaufhäusern zu schauen. Später haben wir uns dann noch einmal schön an den Kamogawa gesetzt und abends sind wir in den Butterfly-Club. Am 30. Haben wir dann eine kleine Radtour zum Tō-ji 東寺 gemacht. Den hab ich zwar schon oft von außen gesehen, aber jetzt war ich endlich auch mal drin! In zwei hohen Gebäuden standen massig riesig große, golden bemalte Buddha-Statuen, was schon ziemlich beeindruckend war. Schade fand ich nur, dass man in die 5-stöckige Pagode, die für mich immer das Sinnbild des Tō-ji war, nicht rein gehen durfte.

 

Von innen durfte man leider keine Fotos machen, aber von außen sah die Halle, in der die ganzen Buddha-Statuen stehen, so aus.

 

Und hier nochmal die 5-Stöckige Pagode. In dem Teich, der gleich daneben war, gab es übrigens gaaaanz viele Schildkrößen - so viele, dass selbst der Platz auf den Steinen eng wird.

Danach sind wir dann noch in ein veganisches Restaurant gegangen, in das die Leo unbedingt wollte. Es wurde von einer Frau in ihrem eigenen Haus hinter einer schmalen Gasse betrieben, war mega vollgestellt, die Katze ist rumgelegen und hatte einen ganz besonderen Charme. Am Abend musste die Leo dann leider schon wieder nach Hause und so waren wir wieder zu zweit.

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Am Montag (02. Juli 2012) waren Johanna (eine Kommilitonin von der Dōshisha) und ich bei einem Fotoshooting im Geisha-Stadtviertel Gion 祇園! Wir wurden als Geisha geschminkt (ich hatte das erste Mal in meinem Leben falsche Wimpern), durften uns einen Kimono aussuchen, haben ihn und dazu noch eine Perücke angezogen bekommen und wurden dann in einem bunten Raum von einem wortkargen Fotografen fotografiert. Das Anlegen des Kimono war ein ziemlicher Akt: Alles musste straff sitzen und ich wurde zugeschnürt, bis es nicht mehr ging. Noch nicht einmal tief einatmen konnte ich, geschweige denn die Arme heben oder gemütlich sitzen. Außerdem war das ganze Outfit richtig schwer.

Das eigentliche Shooting dann ging ziemlich schnell vorüber. Der Fotograf hat uns (einzeln) in Pose gerückt, uns gesagt, wo wir hinschauen sollten und dann von jeder Pose genau 1 Foto gemacht. Raum für eigene Ideen gab es leider gar nicht… aber es sind trotzdem sehr schöne Fotos herausgekommen! Zum Schluss dann durften wir sogar noch mit unserer eigenen Kamera Fotos machen, soviel wir wollten.

Johanna in dem kleinen Zimmer, in dem fotografiert wurde mit dem Fotografen, der sie gerade zurechtrückt.

Und so sah dann das Endergebnis aus!


Montag, 25.06.2012

Erholungswochenende in Shirakawa-gō 白川郷

Am Freitagabend haben wir uns mit unserem Rucksäcken auf den Weg zum Kyotoer Hauptbahnhof gemacht, um mit dem Nachtbus nach Kanazawa 金沢 zu fahren. Wir sind mit einem lachenden und einem weinenden Auge gefahren, da wir das Deutschland – Griechenland EM-Spiel nicht mit den anderen anschauen konnten – aber wofür gibt es denn Internetradios^^ Zur 1. Halbzeit haben wir zwar nur wenig mitbekommen, da der Empfang im Bus andauernd gehangen hat. Als wir um 5Uhr morgens allerdings pünktlich zum Beginn der 2. Halbzeit am Kanazawa-Hauptbahnhof angekommen sind, konnten wir uns den Rest noch störungsfrei anhören und uns über den Sieg freuen :-)

Danach war allerdings erst mal ein wenig Langeweile angesagt, da unser Bus nach Shirakawa-gō 白川郷 erst etwa 9Uhr losfahren sollte. Wir sind ein wenig in der Stadt rumgelaufen, um uns de Zeit zu vertreiben, aber um kurz vor 6Uhr war noch überall tote Hose. Dazu kommt, dass Kanazawa nicht wirklich viel zu bieten hat. Nach unserem Spaziergang hatten wenigstens schon einige Bahnhofsgeschäfte offen, sodass wir uns Frühstück gekauft und in einem Wartehäuschen vor uns hingedöst haben, bis der Bus denn kam.

In Ogimachi 荻町, einem Dorf in der Region Shirakawa, angekommen, haben wir erst einmal unsere Unterkunft gesucht. Der Kern Ogimachis wird von der großen Bushaltestelle mit Touristeninformation und Museum durch eine laaaange Hängebrücke über den Fluss Shō-gawa 庄川verbunden. Wir haben in einem traditionellen Gasshō-zukuri 合掌造り- Haus übernachtet, für das die Region so berühmt ist und die Region zu einem UNESCO Weltkulturerbe macht! In dem Dorf, in dem wir waren, stehen die meisten dieser Häuser (etwa 60 Stück).

    Die Hängebrücke war aus Beton...

 

Der "Eingang" zum Dorf führte durch ein steinerndes Torii

Das war unsere Unterkunft namens Yoshiro 与四郎. Sie wurde von einer süßen, alten Frau betrieben, die uns zur Begrüßung Cola und Schokoherz-Pralinen brachte^^

Nach einer kurzen Verschnaufpause haben wir uns dann auf zur Stadterkundungstour gemacht. Zunächst sind wir in ein kleines Museumsdorf gegangen, in welchem die Strohdachhäuser wie in alten Zeiten hergerichtet wurden. Häuser dieser Art gibt es in ganz Japan nur in dieser Region! Sie sind berühmt für ihre dicken, steilen Strohdächer, die im Winter verhindern sollen, dass sich dort große Schneemassen ansammeln.

 

Der Wohnraum befindet sich in diesen Häusern immer im Erdgeschoss. Typisch sind die Kochstellen im Boden, über die ein Brett aufgehanden wurde - sowas wie eine Dunstabzugshaube ohne Abzug.

Das Obergeschoss

im oberen Stockwerg kann man nur auf einem dünnen Holzbrett laufen - links und rechts davon kann man durch die Holzspalte bis ins Erdgeschoss gucken - nur was für schwindelfreie!

In den oberen Stockwerken dieser Häuser wurden Seidenraupen gezüchtet und Schießpulver hergestellt.

Nachdem wir das historische Dorf erkundet haben, haben wir uns zunächst eine kleine Auszeit am Shō-gawa gegönnt und uns in dem eiskalten Bergwasser erfrischt.

Danach ging es durch das Dorf weiter auf einen Berg zum Tebōdai 展望台, einer Aussichtsplattform, von der aus man einen schönen Blick über das Dorf hat.

Geradezu auf dem Berg sieht man schon die Aussichtsplattform

Und so sieht es dann von oben aus

Und so, wenn wir zwei noch davor stehen :)

Auf unserem Abwärtsweg sind wir dann eine andere Strecke gegangen, sind an weiteren schönen Strohdachhäusern, an denen man sich gar nicht satt sehen konnte, vorbeigegangen und dann nochmal in ein kleines Privathaus, das in ein Museum umgewandelt wurde, gegangen. Hier war in der oberen Etage eine Ausstellung über den Reisanbau, der in der Stadt groß betrieben wird. Außerdem gab es in dem Haus einen ziemlich großen Schrein.

 

Überall wo man hinsieht gibt es Nassreisfelder…

Nach etwa 17Uhr, wenn der letzte Bus von Ogimachi abfährt und den Großteil der Touristen mit sich nimmt, war die Stadt dann wie leergefegt. Die Souvenirläden und Restaurants schlossen, die älteren Dorfbewohner trauten sich auf die Straßen, und wir machten uns  langsam auf die Suche nach einem Restaurant, das noch geöffnet hatte. Dem Rat des Reiseführers folgend haben wir uns auf zu einem traditionell japanischen Restaurant in der Nähe der Aussichtsplattform gemacht, wo hauseigens gezüchtete Forellen serviert wurden. Wir hatten einen schönen Fensterplatz mit Aussicht auf einen großen Teich  im schön gepflegten Garten…der uns leider auch eine gute Aussicht darauf verschaffte, wie unser Abendessen gefangen wurde :-(

Nichtsdestotrotz war es seeeehr lecker! Gegrillte, zarte Forelle und Sashimi (roher Fisch) mit allerlei Kleinigkeiten dazu.

Nachdem wir uns satt gegessen haben gingen wir dann heim und ließen den Abend mit zwei guten Tropfen Sake ausklingen, die wir uns (noch vor dem Essen) schnell in dem letzten Souvenirshop, der noch geöffnet hatte, kauften.

In diesen Shops konnte man übrigens unmengen Souvenirs mit dem Maskottchen der Region, Sarubobo さるぼぼ („Affenbaby“), kaufen. Auf dem Bauch steht "Shirakawa-gō" drauf.

Als Erfrischung konnte man sich außerdem immer in Wasserbecken gekühlte Flaschen kaufen.

Die Hauswirtin hatte unsere Betten bereits gemacht und uns außerdem noch ein o-furo お風呂 (heißes Bad) eingelassen, in das wir abwechselnd gingen und den Rest des Abends vor dem Fernseher entspannten (es gab andere Sender als in Kyoto und es lief zuerst eine tolle Sendung über unglaubliche Geschichten und dann über Polynesien).

Unser Zimmer

Es stand sogar noch ein kleines Tablett mit Kaffee, grünem Tee und...

...Shirakawago-Plätzchen da.

Am nächsten Morgen hieß es dann früh aufstehen, da das Frühstück bereits 7:30Uhr serviert werden sollte (auf einem englischen Zettel stand „at 7:30am“ – wir wissen aber bis heute nicht, ob vielleicht eher „ab 7:30Uhr“ gemeint war…). Es gab einen Mix aus westlichem und traditionellem Frühstück, da die Hauswirtin uns es so recht wie möglich machen wollte. Toast, sowas wie Schmelzkäse, Marmelade, Orangen und Kaffee auf der einen Seite und Reis, Mais- und Miso-Suppe, gekochte Tomaten, Gemüse und grüner Tee auf der Anderen. Ich bin so satt geworden, dass mein Magen sich bis etwa Abends 18Uhr nicht mehr meldete.

Das ist eine Spezializät der Region! Pilze und anderes Gemüse, werden am Tisch mit Miso gegrillt.

Nach dem Frühstück dann sind wir auf Erklärungen der Hauswirtin hin die Bergstraße auf der anderen Flussseite hochgewandert, da man von dort aus einen schönen Ausblick auf das Dort haben sollte (die hatte extra ein Poster von ihrer Wand gerissen, um uns die Rückseite zu zeigen, worauf der Weg erklärt war…). Der Ausblick hat sich aber wirklich gelohnt, auch wenn der Weg an der Straße entlang eher suboptimal war.

 

Außerdem haben wir dabei noch entdeckt, dass es im Osten der Stadt einen Staudamm gibt! Da wir den beide so toll fanden, haben wir uns schnell wieder auf den Weg zurück ins Tal gemacht, etwas zu trinken besorgt und sind dann weiter in Richtung Damm. Leider konnte man auf keine Weise in der Nähe des Sees kommen (man hätte sicherlich noch eine ganze Weile wandern müssen, aber so viel Zeit hatten wir nicht, da der letzte Bus von Ogimachi nach Kanazawa um 16:50Uhr abfuhr…).

Und wieder einmal hatten wir Glück, dass wir auf unserem Weg nicht von Bergen mit Felsbrocken bespuckt worden sind.

Außerdem fanden wir auf unserem Weg zurück noch einen Getränkeautomaten, in dem Dragonball-Limonade verkauft wird!

...das mussten wir natürlich gleich ausprobieren^^

Nachdem wir die Aussicht auf den Stausee genossen haben, sind wir wieder zurück ins unser Dorf, haben unsere Sachen gepackt und uns nocheinmal mit unserer Hauswirtin unterhalten. Als wir ihr gesagt haben, dass wir kein Mittag gegessen haben war sie ganz erschrocken und hat uns noch schnell zwei Pfirsiche geholt. Omas sind eben auf der ganzen Welt gleich :) Die letzten 1 ½ Stunden haben wir uns noch einmal an den schönen Fluss gesetzt. Es war ein wirklich wunderschönes, extrem erholsames Wochenende. Endlich mal kein Gehetze um alles zu sehen, da das Dorf so klein war und das Wetter hat auch noch mitgespielt – das erste sonnige, knallig warme Wochenende seit dem Anfang der Regenzeit^^

Als wir gestern Abend dann gegen 18Uhr wieder in Kanazawa ankamen, mussten wir ganze sechs Stunden totschlagen, bis unser Bus nach Kyoto abfuhr. Zunächst war es unser Plan, in dem Einkaufscenter Aeon Mall ein wenig shoppen zu gehen – leider nur sagten uns beiden keine Geschäfte wirklich zu. Aber schon vorgestern hatten wir am Bahnhof eine deutsche Bäckerei entdeckt, die wir jetzt ausprobieren: Und tatsächlich! Zwischen den mit Bohnenmus gefüllten „Pfannkuchen“ (oder "Berliner" / "Krapfen" / wie auch immer) und den so gar nicht deutsch anmutenden Backwaren haben wir ein Schwarzbrot gefunden!!! Es sah zwar nicht sehr original aus, aber der Geschmack war sehr überzeugend. Komisch nur, dass dies das einzige Brot war, das kurz vor Feierabend noch zu genüge vorhanden war, wobei alles andere so gut wie ausverkauft war… Japaner wissen halt nicht, was gut ist.  

Unser tolles, deutsches Brot!

Der Eingang zum Kanazawa-Hauptbahnhof ist ein riesiggroßes Holztor.

Nachdem wir die Restliche Zeit noch genutzt haben, um Daniels Hausaufgaben zu machen und uns nochmal in einen Starbucks zu setzen, fuhr dann auch langsam unser Bus los und wir haben heut früh um 5Uhr in Kyoto an -.- Daniel war sogar tapfer und hat es trotz der Umstände in die Uni geschafft, ich allerdings habe mal ausgenutzt, dass ich sonst nie fehle und hab es mir gegönnt, einmal gut auszuschlafen und mich von dem erholsamen Wochenende zu erholen.

 

Dienstag, 19.06.2012

Besuch!

Am 30. Mai war es dann endlich soweit: Daniels Familie ist gut in Japan angekommen. Mitsamt eines Fresspaketes mit Frischkäse, Käse, Brot, ECHTER Salami, Fertignudelgerichten, Kaffe, Milka, Gummibärchen, Haferflocken… eben alles, was das Herz erfreut. Nachdem sie allerdings auch einen 30h-Tag hinter sich hatten, haben wir an ihrem Ankunftstag außer Einkaufen und quatschen nicht mehr viel gemacht.

Am nächsten Tag ging das Programm dafür gleich richtig los! Nach der Uni sind wir mit dem Bus nach Higashiyama 東山, zum Kiyomizu-dera清水寺 gefahren. An diesem ziemlich warmen Tag war aaaalles voll von Menschen und überall waren Schulklassen, die uns von ihrem Englischunterricht aus Fragen gestellt haben. Ist ja auch selbstverständlich, dass jeder westliche Ausländer englisch kann. Aber die waren alle ganz süß und witzig, von einer Grundschulgruppe habe ich sogar einen Papierkranich als Dankeschön geschenkt bekommen :) Wir haben Daniels Familie alles gezeigt, was so typisch Kyoto und Japan ist: wir sind in meinen Lieblings-Yatsuhashiladen, in dem man immer Proben naschen kann, gegangen, sind in ein paar schöne Geschäfte rein, haben uns natürlich den Tempel angeschaut (in den Daniel und ich und mit unseren alten Eintrittskarten rein geschmuggelt haben), haben Matcha- (Grüntee-) Eis gegessen, waren bei dem Friedhof auf dem Berg in der Nähe, sind dann noch zum Yasaka-jinja 八坂神社 … und haben sogar einen Bier-Automaten gesehen^^

 

Mein lieblings Keramikladen.

Wir hatten die Ehre, mit vielen fremden Schülern Andenkensfotos für ihren Unterricht zu schießen. Dies ist nur ein Beispielbild der vielen^^

Ein weiterer, erfolgloser Versuch, den schweren Mönchsstab im Kiyomizu-dera hochzuheben...immerhin geht es bei dem Kleinen, der davor steht, ganz einfach, sodass wir doch ein wenig Glück oder was weiß ich bekommen.^^

Für alle, die ihn schon vergessen haben, noch einmal der schöne Friedhof...

...und natürlich der Bierautomat! Noch nie gesehen...!:D

Danach sind wir dann noch in der Innenstadt zwischen San-jō und Shi-jō (zwei große Einkaufsstraßen) rumgelaufen, bis wir uns auf den Heimweg am Kamogawa entlang gemacht und den Abend noch schön ausklingen lassen haben.

Inzwischen ist Regensaison und das Wasser ist so hoch, dass es mit diesen Steinen auf gleicher Ebene fließt!

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Am 1. Juni dann haben wir Daniels Familie einen ganz schön vollen Tag beschert. Bevor Daniel in die Uni gegangen ist, hat er alle in den Bus gesetzt und sie sind zum Kinkaku-ji (dem goldenen Pavillon) gefahren, wo ich sie nach meinem Unterricht abgeholt habe und wir zu Daniels Uni gelaufen sind und auf ihn gewartet haben, bis er seinen Test zu Ende geschrieben hat. Als er dann da war, haben wir uns gemeinsam auf den Weg zum Ryōan-ji 竜安寺 in der Nähe seiner Uni gemacht. Der Tempel gehört zu „den 17“ und ist bekannt für einen Zen-Garten. Auf der Anlage gab es einen großen Teich mit vielen Seerosen und unsichtbaren Tieren, die seltsame Geräusche machten. Dort war es ganz schön, der Tempel an sich kam allerdings leider recht unspektakulär rüber. Bis auf die Terrasse mit dem unerwartet kleinem Steingarten hat er sich nicht so sehr von den anderen Tempeln, die wir bisher gesehen haben, habgehoben. Aber wenigstens haben wir ihn gesehen und können jetzt mitreden ;)

Der berühmte Steingarten des Ryōan-ji...

Danach sind wir zum Ninna-ji 仁和寺 gelaufen, in dem Daniel und ich auch schon mal waren und Daniel seiner Familie einmal um das Gelände (ohne dem Palastgeböude) geführt hat, während ich mich von der Sonne im Schatten erholt habe.

Dann ging es mit einer kleinen Bahn in Richtung Arashiyama 嵐山! Wir waren wieder in dem Affenpark auf dem Berg (die Affen waren diesmal nicht so aggressiv wie damals, als ich mit Jana und ihrer Schwester dort war), wo ein Angestellter einer Schulklasse gerade wissenswertes über Affen vermittelt hat. Wir sind auch wieder in das Haus rein und haben die Affen von dort aus gefüttert. Es ist sooo lustig, wenn man ihnen Nüsse gibt wo nichts mehr drin ist. Die sind dann richtig beleidigt! Der eine hat dann immer seinen Mund ganz weit aufgerissen und hat mich mit großen Augen angesehen – als ob ich gezaubert habe!

Später haben wir uns noch kurz an den Fluss gesetzt und Daniel, Luisa und ich haben unsere Füße in das kühle Wasser gehalten – was echt nötig war. Schön aufgefrischt sind wir dann weiter zum Bambuswald gelaufen und als wir dort auf der anderen Seite wieder rauskamen, haben wir durch Zufall noch einen Tempel der „17“ entdeckt - den Tenryū-ji 天竜寺! Wir hatten Glück, da der Tempel in 5 Minuten Eingangsschluss hatte. Dafür hatten wir zwar auch nur eine halbe Stunde Zeit, den Tempel zu besichtigen, das hat aber gereicht, da das Gelände nicht so groß war. Leider nur durften wir nicht mehr auf die Terrasse hinauf. Da man aber auch von außen in das Gebäude hereinschauen konnte, war das nicht so schlimm. Der Tempel war diesmal aber wirklich sehr schön! Schon allein die Atmosphäre, da gerade schönstes Sonnenuntergangs-Licht war.

Hier nochmal der Bambuswald, weil er so schön ist.

Das Hauptgebäude des Tenryū-ji

Als wir Abends wieder erschöpft zu Hause ankamen, haben wir noch nach Frau Washimis Rezept Gyōza gemacht (gefüllte Teigtaschen - hmmmm, war das lecker!) und haben mit ein paar Bier und Cocktails in Daniels Geburtstag „rein gefeiert“. Da es morgen früh aber schon früh nach Ōsaka 大阪 los gehen sollte, sind wir auch ziemlich bald ins Bett.

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Man kann sich schöneres vorstellen, als an einem Samstag um 6:30Uhr aufzustehen, aber wenn der Tag so vielversprechend aussieht, macht man das doch gern mal!^^ Wir haben mussten zwar erfahren, dass ein Bus zu dieser frühen Stunde bereits ganz schön  voll sein kann, in der Bahn haben wir dann aber einen komfortablen Platz ergattern.

Vom Ōsakaer Hauptbahnhof aus sind wir zu Fuß durch die Stadt zum Schloss gelaufen, das von der Größe her mit dem von Nagoya vergleichbar ist. Dieses Schloss wurde auch neu aufgebaut und hatte innen drin ein Museum mit einer Aussichtsplattform ganz oben.

Danach ging es gleich weiter an den Hafen zum Aquarium! Hier sollte die Hauptattraktion eigentlich ein Walhai sein – er war aber leider zur Zeit „außer Haus“, das war ganz schön ärgerlich L Nichts desto trotz war das Aquarium ziemlich schön. Es war zwar nicht so groß wie das in Nagoya und es gab auch keine Delphinshow, dafür aber ein riesiges Becken in der Mitte des Aquariums, welches sich über alle Stockwerke erstreckte und um das - angefangen im höchsten Stockwerk, in das man ganz am Anfang, als man das Aquarium betreten hat, mit einer Rolltreppe hin befördert wurde - ein Rundweg bis in die erste Etage führte. Darin wäre normalerweise der Walhai geschwommen, so waren es ein Sardinenschwarm, mehrere Mantas verschiedener Art und Größe, ein Mondfisch und und und. Natürlich gab es auch noch viele andere Becken mit Robben, Ottern, Schildkröten etc. und auch eine kleine Sonderausstellung mit Tieren aus Ägypten, wo eine süße Eule war.

Das Aquarium!

An der Kasse als Markierung der Diskretionszone^^

Wir kamen pünktlich zur Fütterungzeit der Riesenotter! Sie haben Kunststückchen gemacht un haben mit Eis gespielt.   

Diese Fische waren SO UNHEIMLICH! Sie sind nicht einfach geschwommen, wie das Fische nun mal so tun, sondern sind - haargenau so wie auf diesem Foto - einfach nur auf einer Stelle getrieben...

Und hier ist der tolle, riesig große Manta!

...und natürlich die gruseligen Langbein-Krabben...

Nachdem wir aus dem Aquarium raus sind, haben wir dann noch eine obligatorische Fahrt im Riesenrad gemacht, von dem man auch das USJ (Universal Studios Japan, wo ich Ende November war) gesehen hat.

Gegen Abend hat uns unser Weg wieder zurück zum Hauptbahnhof geführt, wo wir alle nochmal in das „Yodobashi Umeda“ gegangen sind, sodass Daniels Familie auch mal einen Eindruck von reizüberflutenden, bunten japanischen Kaufhäusern bekommt.

Als Abschluss des Tages haben wir spontan einen super Okonomiyaki-Laden in einer kleinen, belebten Seitenstraße gefunden, in dem wir Daniels Geburtstagsessen abgehalten haben. So gestärkt haben wir uns experimentell in eine andere Bahn als sonst getraut, die uns für lächerliche 550Yen bis fast vor die Haustür fahren sollte. Leider haben wir verschlafen, von der Bummelbahn, die an jeder Station hält, in einen schnelleren Zug umzusteigen – und bis wir das bemerkt haben, hatten wir bereits die Hälfte der Strecke rum und es hätte sich nicht mehr gelohnt, umzusteigen. So haben wir zwar 2h nach Hause gebraucht, sind aber um eine Erfahrung reicher ;)

Man konnte zuschauen, wie die Okonomiyakis gemacht wurden. Als sie fertig waren, hat man sie an den Tisch bekommen, wo sie auf genau so einer heißen Platte warm gehalten wurden.

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Nach diesen vollgepackten Sightseeing-Tagen habe ich mir dann mal zwei Tage Pause gegönnt, da ich auch für die Uni lernen musste, da wir genau in dieser Woche Testphase hatten… Daniel ist derweil an einem Tag mit seiner Familie nach Nara 奈良 (die „Rehstadt“) und an einem anderen nach Ōtsu  大津 (und auch natürlich wieder im Würzburg essen, wo sie sogar Bier ausgegeben bekommen haben, nachdem sie sagten, dass sie Würzburger sind^^), nachdem sie am Vormittag allein auf den Daimonji-san 大文字山 gestiegen ist.

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Am 5. Juli war dann auch schon wieder der letzte Tag ihres Urlaubs. Den haben wir nochmal genutzt, um zu Fuß von uns zu Hause aus über den Shimogamo-Schrein 下鴨神社 (einer der „17“) zum Kaiserpalast – wo wir uns für eine Führung angemeldet haben – bis hin zum  Nijō-Schloss 二条城 gelaufen sind. Also einmal quer durch die Stadt.

Der ehemalige Kaiserpalast

Abends sind wir dann noch zum Abschluss nahe unserer Wohnung Ramen essen gegangen, bevor wir zu Hause noch ein Taxi bestellt haben und Daniels Familie schon wieder alles zusammenpacken musste. Am nächsten Tag ging es dann schon in aller Früh um 5:30Uhr los Richtung Bahnhof und Flughafen und wir waren wieder alleine…

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Seitdem haben wir eigentlich nicht wirklich viel gemacht. Eines Abends war eine Killerbiene in unserem Schlafzimmer, die wir irgendwie verscheuchen mussten. Das war nichts für schwache Nerven, das Ding war größer als mein kleiner Finger!! Wir (bzw. ich, da Daniel sich versteckt hat) haben im Schlafzimmer das Licht aus und im „Balkonzimmer“  an gemacht (in der Hoffnung sie fliegt rüber) und die Balkontür geöffnet (in der Hoffnung, sie fliegt raus). Bis sie aus unserem Schlafzimmer raus ist, hat es zwar eine Weile gedauert, aber dann haben wir sofort die Tür zum Balkonzimmer geschlossen und gewartet, bis sie weg war. Das Ding muss sich nur leider geschickt versteckt haben, denn als ich mir am nächsten Tag die Haare geföhnt und an die Decke geschaut habe, hat sie am Fliegengitter gesessen! Gekonnt habe ich sie aber mit Mülleiner und Papier als Deckel eingefangen und endgültig rausgeworfen. Das ist zum Glück schon geschehen, bevor Daniel nach Hause kam und mir gesagt hat, dass er in der Uni gehört hat, dass das Ding sogar Menschen töten kann…! Naja, wir haben’s ja überlebt.

Ansonsten war Daniel mit seiner Hausarbeit beschäftigt, weswegen wir auch unseren Wochenendsausflug nach Kobe verschoben haben. Dafür habe ich mir mal mein Fahrrad geschnappt und bin einfach mal in Richtung Norden gefahren. Und siehe da, ich hab einen kleinen See gefunden, in dem massenweise Kois schwimmen und auf dem man mit Ruder- und Tretbooten rumfahren kann! Leider hatte ich weder Handy noch Fotoapparat dabei, aber ich fahr sicher nochmal hin und mach ein paar schöne!^^

Zur Zeit hat außerdem die Regenzeit (tsuyu 梅雨  – übersetzt Pflaumenregen) angefangen und man muss für etwa drei, vier Wochen immer mal mit starken Schauern und Regentagen rechnen. Gerade zum Beispiel haben wir einen Taifun hier (ab 15Uhr wurde sogar die Uni geschlossen) und es stürmt verdammt krass. Dafür hoffen wir, hat es sich am Wochenende ausgeregnet, denn am Freitag fahren wir mit dem Nachtbus in das Weltkulturerbe-Dorf Shirakawa-gō 白川郷 – eines von Daniels Traumzielen hier in Japan!

Dienstag, 29.05.2012

Viel Kultur und noch mehr Sport!

So, langsam wird es aber wirklich mal wieder Zeit für einen Blogeintrag, sonst komme ich nie wieder hinterher… Inzwischen haben wir schon wieder so viel gemacht, dass ich mich ganz schön kurz fassen muss.

Wir uns es zur Zeit zur Gewohnheit gemacht, jeden Freitag Abend an den Kamogawa zu fahren, dort andere Austauschstudenten und Japaner zu treffen, in den ZAZA-Pub, eine Bar, die vor allem Ausländer besuchen, zu gehen, gegebenenfalls im Butterfly-Club vorbeizuschauen und gegen 3Uhr Nachts den Heimweg anzutreten. Am Samstag machen wir deswegen auch größtenteils NICHTS (derzeit haben wir das Projekt „Paper Mario“ für Nintendo 64 auf dem Computer durchzuspielen) und machen dann dafür am Sonntag ein Power-Programm ;)

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Am 13.05.2012 (ein Sonntag) hatte ich mit Abstand den sportlichsten Tag meines Lebens! Um 11Uhr haben wir uns mit Yukima in der Nähe vom Kiyomizu-dera getroffen, um eine Radtour zum und um den Biwako drumrum  zu machen. Das hörte sich zunächst nach Spaß an, war aber ein ziemlich krasses vorhaben. Denn zunächst mussten wir mit unseren Damenfahrrädern über 2(!!) Berge hinüber! Das ging mächtig auf die Muskeln, weswegen wir auch öfters mal schlapp machten und schieben mussten.

Am Biwako angekommen war dann aber schönster Sonnenschein und ein angenehmer Wind hat uns die Tour versüßt. Da wir nicht um den ganzen See drum herum fahren konnten / wollten (Yukima, der Spinner, hat das mal gemacht und war 13h unterwegs!!), haben wir eine Abkürzung über die Rainbow-Bridge (anscheinend ein sehr beliebter Brückenname in Japan) zum gegenüberliegenden Ufer genommen.

Als wir die Brücke überquert haben, war etwa die Halbzeit unseres Fahrradmarathons erreicht und unser (inzwischen immer heißer ersehntes) Ziel, im „Würzburg“ in Ōtsu (wo ich mit Jana schon mal war) essen zu gehen, rückte immer näher.

Dort angekommen wurden wir nur leider erst einmal enttäuscht, da wir genau zur Mittagspause dort aufkreuzten. Aber das war halb so schlimm: Wir sind nochmal in den Konbini ein Eis kaufen (ich zumindest) und haben uns auf einen kleinen Spaziergang um die Küste am Biwako gemacht. Vorbei an in den Wellenbrechern verendeten, riesigen Fischen… Um einen schönen Ausblick auf den See zu haben, sind wir sogar in dem großen Hotel gleich neben dem Restaurant in das höchste Stockwerk gefahren.

 

Das Essen im „Würzburg“ war dann natürlich auch spitze. Yukima haben wir Bratwurst mit Sauerkraut empfohlen und er schien es zu mögen :) Ich hatte lecker Leberkäse mit Ei und Daniel hat sich nen Sauerbraten (den er leider nur erst bekam, als Yukima und ich schon längst aufgegessen hatten), Pommes und ein kühles Weizen gegönnt^^

So gestärkt haben wir uns dann auf den Heimweg, zurück über die Berge – was mir meine Muskeln bis heute noch nicht verziehen haben – gemacht. Zu Hause angekommen hatte ich dann noch eine böse Überraschung. Das ach so tolle Wetter, das mich dazu veranlasst hatte, mich im Top raus zu wagen, hat nämlich seine Spuren in Form eines miesen Sonnenbrands hinterlassen… Inzwischen habe ich meine verbrannte Haut aber komplett abgeworfen und seh‘ wieder gut aus.

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Am Dienstag der darauffolgenden Woche sollte das Aoi-matsuri 葵祭, ein Fest, das so ähnlich wie das Jidai-matsuri 時代祭 im Oktober aussieht, nur dass die Leute, die dort mitlaufen, nicht alle Zeitalter Japans abdecken, sondern speziell die Heian-Zeit 平安時代 um 1000 n. Chr.

Da es an diesem Tag jedoch regnete, wurde das Fest auf den Mittwoch verschoben. Um 10.30Uhr habe ich mich mit meiner Klasse an der Dōshisha getroffen und wir sind zusammen zum Kaiserpalast gegenüber gelaufen, wo der Festzug (ohne Musik) startete. Nach einer halben Stunde hat der Unterricht dann begonnen und ich bin wieder zurück in die Uni.

Als die dann bei mir und Daniel vorbei war, habe ich mich dann noch mit ihm am Kamogawa in der Nähe des Kamigamo-Schreins, dem Ziel des Festzuges, getroffen, dass er das auch nochmal sieht.

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Ein Ziel, das wir uns hier in Japan gesetzt haben ist, alle Tempel uns Schreine in Kyōtō zu sehen, die die Stadt im Gesamten zu einem Weltkulturerbe machen. Bis jetzt haben wir schon den Kiyomizu-dera, den Gin- und Kinkakuji, den Nishi-Hongan-ji (der gegenüber meinem alten Wohnheim liegt) und den Toji, den Daniel sich allerdings noch ansehen muss, gesehen.

Deswegen haben wir uns am Donnerstag (17.05.2012) nach der Uni auf den Weg zum Ninna-ji 仁和寺 gemacht, der ganz in der Nähe der Ritsumeikan (Daniels Uni) ist. Das Tempelgelände war  riesig groß, mit einer 5-Stöckigen Pagode, einer schönen Buddha-Statue und vielen anderen Tempelgebäuden.

 

Das Kulturerbe an sich war mal so etwas wie ein kaiserlicher Palast, in dem man nicht mit Schuhen rein durfte und deswegen einen ganz besonderen Charme hatte.

 

Die Gänge befanden sich im Freien, aber nicht genau auf dem Boden, sondern auf Stälzen.

Und der Zen-Garten war auch wunderschön und an einem sehr ruhigem Ort.

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Am Wochenende dann waren wir schon wieder sportlich. Wir sind zum Hiei-zan 比叡山, dem höchsten Berg um Kyōtō, gefahren. Zuerst mit der Bahn, dann mit einer „Staßenbahn“, die den Berg mit einer Steigung von gefühlten 90% hochfuhr, und zu guter letzt noch mit einer Seilbahn. Auf der Station zwischen „Straßen-“ und Seilbahn gab es noch ein cooles Spiel: Wir haben uns zuerst geärgert, wieso so ein komischer Hula-Hoop Ring an einem Drahtseil die schöne Aussicht auf das Tal verdirbt. Dann haben wir aber ein Schild gesehen, worauf stand, dass man auf kleine Tonteller wünsche schreiben kann, die erfüllt werden, wenn man es schafft, diese durch den Ring zu werfen. Nachdem wir einige Japaner beobachtet hatten, haben wir uns dann auch für 100Yen 3 Tontellerchen gekauft und unsere Wünsche darauf geschrieben. Daniel hatte leider kein Glück, aber ich hab doch tatsächlich zwei Mal getroffen! :D

Auf dem Weg hinauf!

Ich beim Tonteller-Werfen

An der Bergspitze angekommen sind wir dann zum Enryaku-ji 延暦寺 gewandert – ein weiterer Tempel auf der Weltkultur-Liste. Dieser befindet sich in drei Tempelanlagen verteilt auf dem Berg an der Seite des Biwakos, auf den man teilweise auch eine sehr schöne Aussicht hatte. Auf einem Tempelgelände fand sogar gerade irgendein Fest statt, auf dem Hölzer, Pappkartons etc. zu komatösem Mönchsgesang verbrannt wurde.

Das dritte Tempelgelände lag etwas abseits und wir mussten mit dem Bus dorthin fahren. Das war auch ganz lustig, bis, nachdem der Bus an der vorletzten Haltestelle losfuhr – es also kein Entkommen mehr gab – der Preis von 350 auf 650Yen sprung! Aber naja, der Weg war auch wirklich weit und den zu laufen hätte sicherlich 2 Stunden gedauert. Im Nachhinein muss man nur leider sagen, dass sich das nicht wirklich gelohnt hat, da das, was uns dort geboten wurde, im Vergleich zu den anderen Tempelgeländen nicht wirklich spektakulär war. Aber so haben wir immerhin alle drei Teile gesehen und unsere Eintrittskarte voll ausgenutzt ;)

Auf dem Rückweg dann wollten wir nicht noch einmal mit dem teuren Bus fahren – zumal wir noch nicht mal wussten, wann und ob der nächste fuhr (wir waren die letzten Leuten dort, die kein Auto hatten). Also haben wir uns illegaler Weise zu Fuß am Straßenrand auf den Rückweg gemacht – in der Hoffnung es hat jemand Mitleid und nimmt uns mit. Und der Plan ging sogar auf, denn irgendein Arbeiter hat uns eingesammelt und uns zu unserer Ausgangs-Bushaltestelle gefahren! Glück gehabt – 2h laufen an der Straße wäre vielleicht doch nicht so cool gewesen^^ Und so haben wir sogar noch eine der letzten Bahnen zurück ins Tal erwischt und uns eine noch längere Warnung erspart.

 

Wenn uns der Autofahrer nicht eingesammelt hätte, hätten uns die Affen mit den roten Augen sicher gefressen...

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Letzte Woche Sonntag (27.05.2012) dann haben wir uns bei schönem Wetter auf einen etwa 1 1/2 Stündigen Radweg in die kleine Stadt Uji 宇治 gemacht (natürlich mit reichlich Sonnencreme frisch aus Deutschland ausgestattet), wo der Byōdō-in 平等院, Tempel nummer 7 auf der Liste, steht. Das ist übrigens der Tempel, der auf der 10Yen Münze zu sehen ist!

Auf dem Hinweg sind wir an einem Fluss entlanggefahren, der es uns so angetan hat, dass wir dort einen Zwischnstop gemacht haben und auf den Kiesufern rumgelaufen sind. Bei der Hitze an dem Tag war das eine ganz gute Idee.

 

Ich musste ganz schön aufpassen, dass die Ströhmung mich nicht umwirft - auch wenns harmlos aussieht.

In Uji und auf dem Gelände des Byōdō-in war viel los, bei dem guten Wetter! Wir sind genau mit einer Touristengruppe rein und mussten uns zunächst ein bisschen vokämpfen, um das Hauptgebäude, die Phönix-Halle, zu sehen. Auf dem Rückweg war allerdings schon etwas weniger los und ich konnte in Ruhe ein paar schöne Bilder machen.

Auf dem Gelände war außerdem noch ein Museum, wo unter anderem Originaldekorationen aus dem Tempel ausgestellt wurden! An einer Wand hingen ganz viele Buddhas auf fliegenden Wolken, die alle unterschiedlich aussahen. Außerdem sah man auch die zwei Phönixe, die sich auf dem Dach der Haupthalle befinden. Leider durfte man da drin nur keine Fotos machen...

...deswegen hier ein Phönix, der auf dem Dach steht :)

Nachdem wir uns gut in dem Museum aklimatisiert hatten, sind wir noch ein wenig auf dem Gelände spazieren gewesen, bevor wir uns wieder auf die Räder schwangen und nach Hause fuhren. Dort haben wir dann den Abend damit verbracht, den Eurovision Song Contest anzusehen! Und das alles einen Tag später als er ausgestrahlt wurde, da wir es dann doch nicht geschafft haben, nachts um 4 aufzustehen. Es war gar nicht so leicht, nicht herauszubekommen, wer gewonnen hat. Aber wir haben es dennoch geschafft^^

 

Morgen dann kommt Daniels Familie zu besuch und wir haben für eine Woche volles Haus und wieder viel vor!

Donnerstag, 10.05.2012

Unsere Golden Week in Nagoya 名古屋

Samstag, 28. April 2012

Am Samstag sind wir schon halb 6 aufgestanden, um den Bus zum Kyōtoer Hauptbahnhof zu nehmen und die Bahn nach Ōsaka zu bekommen, wo unser Bus nach Nagoya um 9Uhr abfuhr. Noch vor dem Aufstehen also ein halbes Tagesprogramm!

Als wir in Nagoya am Hauptbahnhof ankamen, haben wir erst einmal Essen gesucht. Ein Eis MUSSTE einfach sein; es war mega heiß! Danach haben wir Frau Washimi, die uns für eine Woche in ihrem leerstehenden Haus wohnen lässt, angerufen und gesagt bekommen, wo wir uns treffen. Wir waren ganz schön aufgeregt, weil wir sie ja zuvor nie gesehen hatten. Als wir mit der U-Bahn an der Station ankamen, an der sie auf uns wartete, winkte uns schon eine etwa 60 Jahre alte, kleine Japanerin, die irgendwie ein bisschen aussah wie meine Oma Ingrid hinter den Ticketschaltern entgegen. Sie hat uns gleich viel erzählt über die Stadt, das Bahnsystem etc. und hat uns sogar ein manaca-Karte geschenkt! Das ist eine Karte, die man mit Geld aufladen und anstelle eines Bahntickets verwenden kann. Als wir diese dann das erste mal benutzten, um noch einmal in einen anderen Zug umzusteigen, erlebten wir dann die große Überraschung: Die Karten waren je mit 6500Yen, also rund 65€ aufgeladen! Der helle Wahnsinn. Und wir hatten o-miyage (so etwas wie ein Gastgeschenk) in Form von Yatsuhashi im Wert von 14€ dabei… Aber auf so etwas waren wir nicht vorbereitet.

Das Haus, in dem wir wohnen durften, liegt in der gleichen Straße die das der Washimis. Es hat zwei Stockwerke, in denen auch drei japanische – also mit Tatami-Matten ausgelegte – Zimmer waren. Frau Washimi hat für uns sogar frische Handtücher hingelegt und ist, nachdem wir uns in dem Haus etwas ausgebreitet und ausgeruht haben, sogar noch mit uns einkaufen gefahren – und hat bezahlt! Wir hatten keine Chance, das Portemonnaie zu zücken… 

Später sind wir noch mit ihr zum Yada-Fluss, der in der Umgebung fließt, gelaufen. Abends sind wir dann noch mit den Washimis zusammen in ein Yakitori Restaurant essen gegangen, in dem sie schon Stammkunden sind. Dort haben die beiden alles Mögliche bestellt, das wir mal probieren sollten. Es war auch wirklich sehr, sehr lecker.

 

Sonntag, 29. April 2012

Gleich an unserem ersten richtigen Nagoya-Tag stand mein ganzes Wochen-Highlight auf dem Tagesplan: Wir sind wir zum Hafen von Nagoya gefahren! Dort haben wir uns mit Kaori (meiner Tandempartnerin vom letzten Semester, die jetzt in Nagoya arbeitet) getroffen, um ins Aquarium zu gehen. So ein riesig großes Aquarium hatte ich vorher noch nie gesehen – es hat drei Stockwerke, dort gibt es Delphine, Orkas, Belugawale, Robben, Fische, Schildkröten und, und, und…!

Die Delphine schwammen in einem großen Becken, das zwei Stockwerke tief war und das man gleich im ersten Raum sah. Im oberen Stockwerk sah man dann im gleichen Becken, wie die Pfleger ihre Delphine trainierten. Im noch sehr viel größeren Becken nebenan fand eine Delphinshow statt, die wir uns bei einem Eis ansahen^^

 

 

Ich fand es voll gut, dass auch das, was die Delphine unter Wasser machten, auf die große Leinwand übertragen wurde. Und die Tricks wie das Frisbee-fangen oder das synchronspringen an die roten Bälle waren auch toll. Uns hat es beeindruckt.

Nach der Show haben wir noch den restlichen Teil des Aquariums erkundet. Alles haben wir allerdings nicht gesehen – dafür war die Zeit einfach zu kurz, weil wir ja auch noch den Rest des Hafens sehen wollten. Das Training der Orkas, das später noch stattfand, konnte sich Kaori leider nicht mehr mit ansehen, weil sie ihre Bahn nach Kyoto, wo sie die Golden Week verbringen wollte, kriegen musste.

 

Nachdem wir nach 3 (oder 4?) Stunden aus dem Aquarium raus waren, mussten wir uns beeilen, um noch in das antarktische Forschungsschiff „Fuji“ zu kommen (wer schon mal in dem U-Boot in Peenemünde an der Ostsee war, kann sich in etwa vorstellen, wie es darin aussieht – nur ist noch ein kleines Museum mit integriert), das um 17Uhr schließt, da am Samstag vor der Golden Week noch nicht die Öffnungszeiten von Ferientagen galten. Das war ganz schön ärgerlich, da das Meeresmuseum mit seiner Aussichtsplattform im Port Building dann geschlossen hatten, als wir aus dem Schiff wieder rauskamen. Dabei hatten wir doch ein Kombi-Ticket für die ganzen Hafen-Attraktionen gekauft -.-

Zum Trost sind wir noch eine Runde Riesenrad gefahren, um uns einen Überblick über die Stadt und den Hafen zu verschaffen, bevor wir in die Innenstadt gelaufen sind, um nochmal etwas von der Stadt zu sehen. Dort waren wir dann nochmal schön vietnamesisch essen, bevor es nach Hause ging :)

Montag, 30. April 2012

Nachdem wir, kurz bevor wir in die Bahn unseren eigentlichen Montags-Plan auf Dienstag verschoben hatten, hat es uns an unserem 2. Tag in das Keramikdorf Tokoname 常滑 verschlagen. Dort gibt es den Töpfer-Wanderweg 焼き物散歩道 yakimono sanpomichi, auf dem sich zahlreiche, meist private Läden, die Töpferware (am häufigsten die für die Stadt typische Winkekatze 招き猫 maneki-neko) verkaufen, befinden.

Zum Glück war es an dem Tag nicht so warm, sonst wäre das Wandern ganz schön anstrengend gewesen. Das ganze Dorf um den Wanderweg war ganz im Keramik-Stil dekoriert: Überall standen alte Ziegen, Tontöpfe oder Figuren herum, und nicht zu vergessen die ganzen Keramikläden, von denen einer schöner war als der andere.

Wir sind den Weg 2x gelaufen – einmal um zu gucken und 1x um zu kaufen. Ich habe ein Wildschwein mit zwei kleinen Frischlingen von einem alten Mann gekauft, der, nachdem wir ihm bei unserer ersten Runde gesagt hatten, wir kommen später wieder um das Wildschwein zu kaufen, überglücklich war uns zu sehen. Nachdem ich das Schwein für 30€ weniger als eigentlich gekauft habe (es hat immer noch 50€ gekostet, das war es aber wert!), haben wir noch einen grünen Tee mit Süßigkeit von den Ladenbesitzern bekommen. Die waren genauso süß wie die Washimis^^

Daniel hat seiner Kaufsucht freien Lauf gelassen und das halbe Dort geplündert. Kann ich ja eigentlich auch verstehen; mir wäre es sicher genauso gegangen, aber zum Glück hatte ich gerade keinen Geld-ausgebe-Tag. Hier mal unsere Ausbeute:

Dienstag, 01. Mai 2012

Am Dienstag war die Stadt Inuyama 犬山 an der Reihe, von uns entdeckt zu werden. Dort steht das älteste Schloss in Japan, das Inuyama-jō 犬山城, welches auch nationales Kulturerbe ist. Auf dem Weg dorthin sind wir an einem Schrein vorbeigekommen, an dem es einen Brunnen gab, mit dessen Wasser man sein Geld waschen sollte – was ich natürlich auch gleich gemacht habe^^

Das Schloss ist noch original erhalten. Im Innern waren die Treppen so steil, dass selbst wir, als junge Leute, ein paar Probleme hatten, dort raus zu kommen – vor allem wegen den Balken, die ständig vor unseren Köpfen waren – man musste aufpassen wie ein Fuchs, um sich keine Beule zu holen. Man konnte bis in das oberste Stockwerk aufsteigen, von wo aus man eine schöne Sicht über die Stadt und den Fluss hatte, der ab Ende Mai berühmt für das Ukai-Fischen (Fischen bei Nacht mit Hilfe von Komoranen, die an der Leine gehalten werden) berühmt ist.

Köpfe einziehen, bitte!

Nachdem wir das Schloss besichtigt haben, sind wir mit dem Bus in das entlegene Meiji-mura gefahren – ein Dorf, das aus Originalgebäuden der Meiji-Zeit (1868 bis 1912; in dieser Epoche fand die Verwestlichung Japans statt), die aus ganz Japan (zum Teil auch aus Hawaii) zusammengetragen, also an ihrem Originalstandort ab- und hier wieder aufgebaut wurden, besteht!  Das Dorf war wider Erwarten riesig groß und wir haben etwa 3 ½ Stunden dort verbracht – aber trotzdem nur etwa 90% gesehen. Die Vorstellung, dass die Gebäude, in denen wir waren, tatsächlich alles Originalbauten waren – sogar eine riesig Kirche wurde dorthin verfrachtet! - war ziemlich beeindruckend und zu sehen, wie man sich genau die Lebensumstände in Japan zu dieser Zeit vorstellen kann, war sehr interessant. Teilweise gab es Häuser, die von außen 100%ig westlich aussahen, innen drin jedoch gab es typisch japanische Zimmer. Man hat sich zeitweise schon ein wenig wie in der Zeit zurück versetzt gefühlt.

Eine Mischung aus jepanischen Tatami-Zimmern links und ein westlicher Flur rechts.

Unser Tagesprogramm war jedoch knackig und so setzten wir uns, nachdem unser Zeitlimit, das wir uns gesetzt hatten, wieder in den Bus nach Inuyama, um mit der Bahn zwei Stationen in Richung zu Hause zum Ōgata-jinja, den Daniel und ich liebevoll den Muschi-Schrein nennen, zu fahren. Der Schrein ist Izanami, der Göttin, die in einer Sage zusammen mit Izanagi, dem ebenfalls ein Schrein gewidmet ist,  Japan erschuf.

Zu dem Schrein kommen viele werdende Mütter, die um die Gesundheit ihres ungeborenen Kindes etc. bitten. Wir mussten lange suchen, aber schließlich haben wir versteckt hinter dem Schreingelände das namensgebende Relikt gefunden: Ein Stein, der eindeutig unzweideutig ist.

Eine Bahnstation weiter befand sich dann der bereits angesprochene Gegenpart, der Tagata-jinja (Penis-Schrein) von Izanagi. Hier mussten wir, obwohl es mittlerweile dunkel geworden war, nicht ganz so lange suchen, denn das Relikt war mit seinen drei Metern Länge kaum zu übersehen. Es wurde nur leider in einem Schreingebäude aufbewahrt, das nicht beleuchtet wurde. Vielleicht hat schon einmal jemand vom Penis-Fest gehört: Dort wird dieses riesige Ding dann rausgeholt, auf den Straßen herumgetragen, es werden dem Fest angemessene Snacks wie Schoko-Bananen verkauft und so weiter. Ist es sicher ziemlich sehenswert!:D

Aber als wir noch ein wenig auf dem kleinen Gelände herumgelaufen sind, haben wir noch ein zweites, beleuchtetes Gebäude gefunden, in der das eigentliche Heiligtum aufbewahrt wurde (Daniel hat auf einmal geschrien „Komm mal her, hier ist noch ein viel größeres!!“). Dieses war eindeutig älter als das nicht beleuchtete (ob es auch größer war kann ich nicht sagen) und es standen noch dutzende kleinere Varianten drum herum. Als sich unsere Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, haben wir auch die zahlreichen in Penis-Form geschliffenen Steine und Pfähle gesehen. Das war schon ein wenig unheimlich – vor allem im Dunkeln.

 

 

Mittwoch, 02. Mai 2012

Am Mitwoch sind wir nochmal nach Nagoya rein gefahren, um die Stadt genauer zu erkunden. Es hat leider den ganzen Tag geregnet, aber viel gesehen haben wir trotzdem!  

Zunächst waren wir bei dem buddhistischen Tempel Ōsu-kannon大須観音, auf dessen Gelände es nur so von Tauben wimmelte! Sie waren überall: suchten Unterschlüpf vorm Regen, badeten in Pfützen, flogen herum, balzten herum – überall nur Tauben. Man konnte ihnen sogar Futter kaufen (natürlich typisch Japan auf Vertrauensbasis „Nehmen sie sich Futter aus der Vitrine und legen 50Yen hin“) – das war allerdings selbst mir zu bunt. Massenhaft nasse Tauben um und auf mir müssen dann doch nicht sein. Aber um nochmal auf den Tempel zurück zu kommen, der war auch recht schön. Nur so inmitten von Hochhäusern und direkt neben einer Einkaufsstraße verlor er, fand ich, ein bisschen an Wirkung.

 

Da weiß jemand ganz genau, wo das Futter imm her kommt!:D

Die überdachte Einkaufsstraße sind wir dann auch noch ein bisschen entlang geschlendert, bevor wir uns auf in Richtung Stadtmitte, Sprich zu der Bahnstation Sakae 栄え gemacht haben. Dort befindet sich der Fernsehturm (der aussieht wie der in Tōkyō, nur in weiß) und der Busbahnhof Oasis 21 mit seinem Galaxienbahnsteig befanden. Das gläserne Dach des Bahnhofs sah aus wie ein riesiges Ufo und auf diesem drauf war ein großes Wasserbecken. Im Reiseführer steht, dass das Nachts besonders toll aussehen soll – ein sonniger Tag hätte es vielleicht auch schon getan, aber cool war es trotzdem.

Die Busstation von unten...

...und von oben.

Auf unserem Weg zu Schloss von Nagoya 名古屋城 sind wir durch den Central Park am Fuße des Fernsehturms gelaufen, sind an dem Platz der Nagoya-Los Angeles Beziehungen vorbeigekommen, der aus einem groß angelegten wildwasserpark bestand.

Als wir endlich mit schmerzenden Füßen am Schloss von Nagoya ankamen, wies uns ein alter Mann darauf hin, in welche Richtung wir gehen müssen. Als wir diese dann gingen und uns umdrehten sahen wir dann, dass er uns folgte. Er folgte uns auch noch in den Schlosspark und kaufte sich eine Eintrittskarte. Er folgte uns auch weiterhin und wollte uns erzählen, wo sie besten Plätz zum Fotos machen sind. Er wäre uns auch noch weiter gefolgt, aber anstelle ihm zu seinen Fotospots zu folgen, gingen wir schnell aus dem Schlosspark in das Schlossgelände herein und versteckten uns hinter der Mauer. Daniel meinte, er hatte gesehen, dass der alte Mann sich genau in dem Augenblick zu uns umgedreht hatte, als wir flüchteten und sei ebenfalls umgedreht. Aber er kam zum Glück nicht hinter uns her und wir konnten unser Versteck wieder verlassen und in das Schloss gehen. Das Nagoya-jō ist eine Rekonstruktion des Originals, da es im Krieg zerstört wurde. Leider haben sie es nur von außen originalgetreu nachgebaut – innen drin war ein Museum, das zwar ganz interessant, aber sicher nicht so spannend wie ein originalgetreuer Nachbau war. Von ganz oben aus hatten man wieder einen sehr schönen Blick über die ganze Stadt.  

Als wir aus dem Schloss wieder raus sind, haben wir auch tatsächlich noch einmal unseren Stalker getroffen, der auf uns wartete und uns wieder auf die tollen Fotospots hinwies. Kurz ist er uns dann noch hinterhergelaufen, aber zum Glück nicht lange…Wenigstens hatte er recht: Man konnte dort, wo er gesagt hat, wirklich tolle Fotos machen^^

Donnerstag, 03. Mai 2012

Donnerstag wollten wir eigentlich einen Faullenzertag machen, weil uns unsere Füße vom laufen mörderisch weh taten und wieder Regen angesagt war. Wider Erwarten wurde jedoch schönes Wetter und so schlugen uns die Washimis vor, nach einem späten Frühstück mit dem Auto in die Stadt zu fahren und uns den Nittai-ji (ein japanisch-thailändischer Tempel) und den Atsuta-jingū (einer der heiligsten Schreine Japans) anzusehen.

Bevor wir uns versehen konnten, saßen wir auch schon im Auto. Herr Washimi hat uns drei schon ein bisschen vor dem Tempeleingang aus dem Auto gelassen, weil Frau Washimi uns die kleine Einkaufsstraße mit den ganzen indisch anmutenden Geschäften zeigen wollte. Der Nittai-ji war an sich ganz schön, nur stand er mitten auf einem Parkplatz, was das Gesamtbild etwas zerstörte. Neben dem Tempel stand noch eine 5-Stöckige Pagode und auf der anderen Seite standen noch zwei kleine Elefantenstatuen. Wir hatten Glück und sich gerade rechtzeitig zum buddhistischen Gottesdienst gekommen, der täglich um 12.20Uhr losgeht.

Danach ging es direkt zum Atsuta-jingū, der ebenfalls mitten in der Stadt in einem Zypressenwald liegt (deswegen hat er mich ein wenig an den Meiji-jingū in Tōkyō erinnert). In ihm sollen sich die Throninsignien der Sonnengöttin befinden – sehen darf man sie allerdings nicht.

Wir und sie Washimis :)

Auf dem Heimweg sind wir noch schnell Zutaten für das Abendessen einkaufen gegangen, denn Daniel hatte sich gewünscht gezeigt zu bekommen, wie man selber Gyoza (ähnlich wie deutsche Maultaschen, nur kleiner) macht. Um das zu lernen, sind wir am frühen Abend zu den Washimis rüber gegangen und haben Frau Washimi bei der Zugereitung geholfen. Eigentlich ist es total simpel, die Füllung zuzubereiten – nur das Falten der Tasche hat so seine Tücken. Mittlerweile sind wir aber fast schon Profis darin!

Später hat uns Herr Washimi noch an seinem Computer (der in „unserem“ Haus steht und an dem er jeden Tag nach dem Abendessen seine eMails checkt) die Websites zweier kleiner Städte gezeigt, die er uns sehr empfohlen hat zu sehen und wo er morgen sehr gern mit uns hinfahren würde.

Außerdem hat mit Frau Washimi einen Yukata (Sommerkimono) geschenkt, den sie nicht mehr anziehen kann (und auch noch nie an hatte). Daniel hat sein Yukata leider nicht gepasst, weil er zu kurz war.

 

Freitag, 04. Mai 2012

Und so machten wir uns Freitag Vormittag auf den 2 stündigen Weg  in nach Tsumago 妻籠 und Magome 馬籠. Bevor wir in Tsumago ankamen, hielten wir noch an einer kleinen Raststätte an  dem Wanderweg an, der diese beiden Städte verbindet. Dort gibt es nämlich zwei Wasserfälle – einen männlichen und einen weiblichen – die wirklich super schön waren!

Ähnlich wie im Meiji-mura fühlt man sich in Tsumago komplett in die Vergangenheit versetzt - nur anstelle der Meiji-Zeit diesmal in die Edo-Zeit (1603 bis 1868; Edo ist übrigens der frühere Name Tōkyōs). Der Ort wurde von der Regierung unter Denkmalschutz gestellt, sodass moderne Dinge wie Strommäste oder Telefonmasten die Szenerie nicht stören dürfen. In dieser Stadt wurden deswegen auch schon viele Filme gedreht, wie Herr Washimi uns erzählte.

In vielen der dunklen Holzhäusern an der alten Straße befanden sich Läden, die ortstypische, meist hölzerne Souvenirs, Dekogegenstände etc. verkauften. Deswegen konnten Daniel und ich uns auf dem Rückweg auch wieder nicht zurückhalten: er kaufte sich hölzerne Schnapsgläser und ich mir eine lackierte Scheibe eines Baums (dazu bekam ich sogar noch 2 Paar Stäbchen geschenkt^^).

Magome ist etwas moderner als Tsumago. Herr Washimi hat uns drei am oberen Ende der Stadt abgesetzt und wir sind bergabwärts eine Fußgängerzone mit erneut vielen Souvenirläden und schönem Ausblick auf die umliegenden Berge gelaufen.

Da dies unser letzter Tag in Nagoya war, haben uns die Washimis am Abend noch zum Sushi essen eingeladen. Wir sind in ein Restaurant gefahren, wo fast jede Sorte Sushi 110Yen kostete. Hat man eine Sorte bestellt, hat man 2 Exemplare davon bekommen. Natürlich wollten die Washimis wieder, dass wir so viel wie möglich probieren und so haben sie, nachdem wir uns das bestellt haben, was wir bereits kannten, und auch noch etwas nachbestellt. Das exotischste, was ich mich getraut habe, war Quallen-Käse Sushi. Allerdings habe ich mir das ausversehen selbst bestellt, dass ich nur Käse gelesen habe und das andere Wort daneben nicht kannte. Doch zum Glück hat der Käsegeschmack alles übertönt :D

Samstag, 05. Mai 2012

An unserem letzten Tag haben wir uns nach dem Frühstück auf gemacht, Daniel einen Friseur zu suchen. Lange mussten wir nicht suchen, da hatten wir schon den passenden Laden gefunden, der auch sehr gute Arbeit leistete. Danach sind wir nochmal zum Yada-Fluss gegangen, bevor die Washimis uns etwa 15Uhr zur Bushaltestelle fuhren, von wo aus uns ein Bus direkt zum Hauptbahnhof fuhr, wo unser Bus nach Osaka 17Uhr abfahren sollte. Natürlich hat Frau Washimi es sich nicht nehmen lassen, auch noch den Bus für uns zu bezahlen.  

Insgesamt war es eine sehr, sehr, sehr schöne Woche in Nagoya! Die Washimis waren sooo lieb zu uns, das haben wir uns im Traum nicht vorgestellt – wir dürfen auch jederzeit wiederkommen. Wenn die Zeit es zulassen würde, würden wir es auch tun :)

Dienstag, 01.05.2012

Die letzten Wochen in und um Kyoto

Nachdem die Uni wieder angefangen hat, mussten wir uns mit den Ausflügen leider wieder ein bisschen zurückhalten. Da gerade Kirschblütensaison war, haben wir uns am 10. April auf zum „Philosophenweg“ nahe des Ginkaku-ji gemacht. Dieser kleine Wanderweg am Stadtrand entlang ist gesäumt von Kirschbäumen und deswegen auch sehr bekannt und beliebt. Am Rande des Weges waren ein paar kleine Geschäfte mit selbstgemachten Dingen wie Taschen, Keramiken, Bildern etc., wo man schön langschlendern konnte und den Blick und Duft der Kirschblüten genießen konnte.

 

Am 15. April sind wir nach Kibune 貴船, einem Dorf am Rand von Kyōto, gefahren, um bei sehr schönem Wetter über die Berge in das Nachbardorf Kurama 鞍馬 zu wandern. (Das war ein schönes Kontrastprogramm zu dem Tag davor, an dem wir den ganzen Tag lang das N64 Spiel „Rayman“ auf dem Computer durchgespielt haben, da ich zu krank war, um irgendetwas anderes zu machen.)

Wir konnten gleich mit dem Zug, der fast vor unserer Haustür abfährt, bis dort hin fahren. Kibune war ein schönes Dörfchen mit einigen Schreinen – darunter auch der „Pferdeschrein" Kibune-jinja.

Als wir vom letzten kleinen Schrein-Gelände gerade weggegangen sind ist sogar noch das Highlight des Tages geschehen: Eine Frau wollte in Schrittgeschwindigkeit vom Parkplatz fahren und hat anscheinend vergessen zu lenken – ist also frontal gegen die Leitplanke gefahren -> in Schrittgeschwindigkeit! Es hat auf einmal laut geknallt, dann hat sie zurückgesetzt, ist ausgestiegen um zu sehen, ob das Auto noch ganz ist, hat sich wieder reingesetzt und ist weitergefahren. Die Leitplanke allerdings war gut durchgebogen – hat aber zum Glück gehalten, denn dahinter ging es abwärts in einen kleinen Bach.

 

Auf dem Weg von einem Schrein zum nächsten gab es auch einen Baum, der innen ganz hohl war (trotzdem aber gelebt hat!). Da hab ich sogar rein gepasst :D

Das war ein heiliger „Zwillingsbaum", der riesig groß war!

Für 200 Yen wurden wir auf den Bergwanderpfad gelassen. Der Aufstieg war wegen der Hitze und meiner leider etwas angeschlagenen Gesundheit mega-anstrengend, aber er hat sich gelohnt. Auf dem Weg nach Kurama befanden sich viele kleine Schreine, darunter auch einer auf dem Weg bergab, der aus einer riesigen Glocke bestand, die man auch lautschlag klingen lassen konnte. Außerdem gab es einen großen Tempel, auf dessen Gelände wir leider knapp eine Schamisen-Vorstellung (eine Art japanische Gitarre, die auf dem Boden liegt) verpasst haben. Auf dem Gelände standen auch viele Kirschbäume herum und der Ausblick auf die Berge war sehr schön. Hier mal ein paar Bilder:

 

Die Brücke zum Wanderpfad

An der Glocke war ein Schild, man solle sanft schlagen. Das ging jedoch nicht und meinen Gong hat man sicher bis Kyotot gehört ;)

Das Tempelgelände

 

In Kurama angekommen wurden gleich viele Souvenirs des Dorfmaskottchens, einem roten Gesicht mit langer Nase, an den Schreinen verkauft. Auf dem Weg zum Bahnhof sind wir noch an sehr vielen solcher Shops vorbeigekommen, bis wir endlich am Original waren, welches leider inmitten eines Parkplatzes stand und deswegen an Wirkung verlor.

 

Hier ging es wieder raus aus dem Wanderpfand

 

Und hier ist das Original!

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Letzte Woche Dienstag (24. April 2012) sind wir, weil Daniel an dem Tag frei hat und super Wetter war, nachdem ich aus der Uni gekommen bin zum Heian Schrein heian-jingu 平安神宮 geradelt. Ich bin bereits einmal zum Jidai Matsuri im Oktober dort gewesen, da wurde er allerdings so gut wie sofort geschlossen. Es war schön, sich das Gelände noch einmal in Ruhe anzusehen und wir sind sogar noch in den dazugehörigen Garten um das Gelände herum gegangen.

 

Eine Karte von der Schreinanlage und der darumliegenden Gartenanlage

Es waren sogar Schildkröten im Wasser!:D

 

Als wir den diesen wieder verließen befanden sich auf dem ganzen Schrein-Gelände plötzlich massenweise Oldtimer, die sich alle in der Stunde, die wir im Park verbracht haben, angesammelt haben. Es war eine Art Wanderausstellung, die sich nach 5 Minuten wieder auf ihr nächstes Ziel machte.

 

Danach haben wir uns noch auf den Weg zum Nanzen-ji 南禅寺 gemacht und sind durch das große San-mon Tor 三門 über die Tempelanlage zum Aquädukt gelaufen.

 

Das San-mon („Drei Tore")

Über dem Aquädukt

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Jetzt haben wir gerade „Golden Week“; eine Woche, in der mehrere Feiertage aufeinander fallen und deswegen ganz Japan auf Achse ist – darunter auch wir! Wir sind nach Nagoya gefahren, wo wir bei der Familie einer Arbeitskollegin von Daniels alter Praktikumsstelle bei JTB (Japanese Travel Bureau) wohnen. Der Beitrag dazu folgt in Kürze!:)

Sonntag, 22.04.2012

Zurück in Kyōto – die letzten Züge der Semesterferien

---------- Achtung! In diesem Blogeintrag gibt es SEHR VIEL ZU LESEN, da ich lange Zeit zu faul zum Schreiben war und alles nachholen musste!! -----------

Montag, 26. März 2012

Nach einer etwa 7 1/2-Stündigen Fahrt mit wenig Schlaf, da die netten Leute, die im Bus vor uns gesessen haben, meinten, sie müssen und jegliche Beinfreiheit nehmen und ihre Sitze bis zum Anschlag nach hinten kippen, sind wir schließlich morgens um halb 6 in Kyoto angekommen. Da wir Atsushi, der uns beim Einzug in die neue Wohnung helfen wollte und sich netterweise den Tag frei genommen hat, erst um 7.30Uhr treffen wollten, war mein eigentlicher Plan, dass wir uns in ein Café oder ähnliches setzen – in Kyoto am Hauptbahnhof wäre schon etwas geöffnet, dachte ich. Aber nein, natürlich nicht. Wir haben die schweren Koffer gefühlte 2x um den ganzen Bahnhof gepuckelt, um auch noch einen geöffneten ATM (Geldautomat) zu finden, bei dem ich das Geld, das wir später für die Wohnungsübergabe brauchten, abheben konnte. Aber selbst diese haben in Japan anscheinend Öffnungszeiten und so haben wir uns so lange vor einen gesetzt, bis er um 7Uhr endlich öffnete und haben uns dann auf zu dem Hotel gemacht, vor dem wir uns mit Atsushi treffen wollten.

Als dieser dann kam, haben wir uns zunächst auf den Weg zu ihm nach Hause gemacht, haben meine Sachen, die er ja netter weise bei sich untergelagert hat, in sein Auto gepackt und sind dann auf zur neuen Wohnung gefahren. Es hat nicht lange gedauert, dass der Vermieter auch da war und wir mit ihm den Vertrag für die Wohnung abgeschlossen haben – dabei war der Atsushi zum Glück auch die ganze Zeit dabei und konnte in dem japanischen Mietvertrag nachlesen, ob auch alles seine Richtigkeit hatte. Das hat mir ein sicheres Gefühl gegeben^^ Als ich dann mal aus Neugier in die Tiefkühltruhe schauen wollte, war mein Spaß allerdings ein Stück weit geschwunden: ALLES dreckig! Und das trotz der 200€ Reinigungsgebühr!! Na toll. Der Vermieter hat uns das dann auch noch sauber gemacht, aber beim näheren Hinsehen hat man gemerkt: hier wurde GAR nichts gemacht. Schließlich wurde uns dann gesagt, dass in 2 Tagen eine Reinigungskraft kommen könne. Wie nett.

Naja, wenigstens hat uns Atsushi dann erst mal zu meinem alten Wohnheim gefahren, da Daniel und ich dort mein und Janas altes (an dieser Stelle nochmal danke: das ist jetzt meins^^) Fahrrad abholen und am Kamo-gawa nach Hause radeln wollten. Daraus wurde allerdings nichts, da ich kluger weise die Schlüssel vergessen hatte… Es hat ein wenig gedauert, aber wir haben schließlich beide Räder in Atsushis Auto bekommen und er hat uns nochmal nach Hause gefahren. Dafür hat er auch einen original deutschen Jägermeister mit Berlin-Schnapsglas bekommen!

Zurück in der Wohnung mussten wir nicht lange überlegen, was wir als nächstes tun würden: Wir haben uns auf in einen Laden gemacht, mit Putzzeug eingedeckt und einen Putz-Marathon gestartet. EWIG haben wir den Boden gefegt, gewischt, das Bad, die Küche und den Kühlschrank kerngereinigt, Staubgewischt und eingerichtet. Original hatten wir sogar 2 Bettgestelle – ganz komisch ohne Matratze, also als ob man auf dem Boden schlafen würde, nur dass man weiter oben liegt und es bei jeder Bewegung unnötig laut quietschte. Diese waren allerdings so riesig groß, dass sie nirgendwo nebeneinander gepasst haben. Also entschlossen wir uns, typisch japanisch auf dem Boden zu schlafen und haben die Bettgestelle in eine Eckcouch verwandelt. Alles in allem ist es meiner Meinung nach eine sehr schöne Wohnung geworden^^

Gleich am nächsten Tag startete bei mir dann auch schon wieder die Uni mit dem Einstufungstest. Als am Anfang wie letztes Semester alles wichtige dafür erklärt wurde, habe ich erst einmal gemerkt, wie langsam die reden und als ich mich dann daran erinnert habe, wie wenig davon ich von einem halben Jahr verstanden habe, habe ich mich schon ein wenig klug gefühlt ;) Der Test lief auch ganz gut, fand ich und ich bin ein Level höher eingestuft worden als letztes Semester. Als ich den Unterricht eine Woche später besucht habe fiel mit allerdings auf, dass die ganzen Texte, die für den Unterricht verwendet werden, keinerlei Steigerung im Vergleich zu Level 4 hatten. Nach einem Gespräch mit meiner Lehrerin, die meinte, dass ja nicht viele Punkte im Test zu Level 6 gefehlt haben, bin ich dann noch ein Level weiter gekommen – jetzt also offizielles Level 6 Mitglied^^

Aber bevor die Uni losging haben wir die Zeit in Kyoto noch gut genutzt:

Zunächst haben wir Daniels Uniweg und die nähere Umgebung unserer Wohnung erkundet.

Dann sind Daniel und ich noch den Daimonji-san 大文字山 (29.März) hochgeklettert. Der Berg hat seinen Namen von dem riesigen Zeichen für Groß, 大 dai, welches im April zusammen mit vielen anderen Zeichen, die sich auf Bergen befinden, angezündet werden. Der Aufstieg war mega anstrengend, weil es für die Jahreszeit auch sehr warm war! Aber die Aussicht hat definitiv alles wieder wett gemacht. Eigentlich dachten wir, dass wir von der Bergspitze aus auch auf die Nachbarstadt von Kyoto – Otsu – blicken könnten. Dass das nicht geht haben wir allerdings erst nach einer ziemlich langen Wanderung bemerkt und mussten schließlich im Stockfinsteren den Berg hinunter. Da hat auch mein Handy-Licht nicht viel geholfen. Schließlich kamen wir an einem Friedhof wieder raus, der war recht schön aber im dunkeln auch ziemlich gruselig war.

Die Wanderroute den Daimonji-san herauf

...und im Dunkeln ging es dann zurück.

Außerdem waren wir nochmal beim Kiyomizu-dera (30. März), meinem Lieblingstempel, den ich Daniel unbedingt zeigen wollte. Am Eingang war auch ein Baum, an dem schon die ersten Kirschblüten aufgegangen sind und ALLE standen sie da herum, mit ihren Fotoapparaten. Unter anderem auch wir^^ An dem Tag war es so warm, dass wir sogar zwei Eidechsen beim sonnenbaden erwischt haben! Nachdem wir den Tempel besucht haben, sind wir außerdem noch durch die Einkaufsstraßen gelaufen, sind in meinen lieblingsladen gegangen, wo man alle möglichen Yatsuhashi-Sorten ausprobieren kann und haben ein chickes Sake-Set gesucht, sind jedoch noch nicht wirklich fündig geworden.

Außerdem kam uns ein Kommilitone aus Frankfurt besuchen, der gerade in Japan rumgereist ist und für 5 Tage eine Übernachtungsmöglichkeit in Kyoto gesucht hat. Mit ihm zusammen haben wir am 4. April Tag den Ginkaku-ji 銀閣寺 (Silberner Pavilion – das Pendant zum Kinkaku-ji (dem Goldenen Pavillion)) besucht, der ganz in der Nähe unseres Wohnheims liegt. Der Tempel an sich (den man übrigens wie auch den Goldenen Pavillion nicht betreten konnte) war weniger spektakulär, aber die Parkanlage drum herum war sehr schön angelegt.

Da die Kirschblüten schon in der Blüte standen, war es sehr voll.

Rechts im Bild: Der Ginkaku-ji.

Und hier ist er nochmal :)

Am 5. April sind wir dann, nachdem sich Roman ein Fahrrad ausgeliehen hat, zum Kinkaku-ji 金閣寺 gegangen (bei dem ich ja auch schon war). Dort wollten wir uns eigentlich noch mit der Risa treffen, die letztes Jahr von der Dōshisha aus in Frankfurt studiert hat. Da diese sich nur leider verspätete und Daniel ein wenig Zeitdruck hatte, da sein Einstufungstest in 2 Stunden starten würde (seine Uni ist ja zum Glück ganz in der Nähe gewesen) sind wir schon einmal hineingegangen, während der Roman noch auf sie wartete. Als wir dann länger im anschließenden Souvenirshop rumgestöbert und Daniel sich noch einen Räucher-Phönix gekauft hat, haben sie uns dann aber noch eingeholt. Während Daniel sich dann auf den Weg in die Uni gemacht hat (Er wurde schließlich in Level A1 eingestuft – das beste Level für die Austauschschüler an der Ritsumeikan! Verrückt. Aber dafür meint auch er, der Unterricht wäre sehr, sehr schwierig…), bin ich mit den beiden noch in die Dōshisha gefahren, wir haben uns mit dem Yuki, mit dem Risa zusammen in Deutschland war, getroffen und was in der Mensa gegessen.

Es gab dort sogar einen Häagen-Dazs Automaten!!

Ein weiteres Event geschah, als ich Daniel und Roman am nächsten Tag die Einkaufsstraße Teramachi zeigen wollte. Weil ich es immer so tue haben wir unsere Fahrräder an der Sanjō-Brücke abgestellt und haben uns auf den Weg in die Einkaufsstraße gemacht. Als wir wiederkamen, waren sie allerdings weg. Jetzt, wo nicht mehr alles voller Fahrräder stand, hat man auch gesehen, dass auf dem Boden ein Schild mit „Fahrräder Verboten steht“. Völlig Ausländer-unfreundlich hat dort auch ein Zettel komplett auf japanisch geklebt, worauf beschrieben stand, wo wir unsere Fahrräder wieder zurück bekommen konnten. Da es schon spät am Abend war, hatte die Fahrrad-Einzugsbehörde allerdings schon zu und wir sind zum Trost noch in eine Bar gegangen, bevor wir nach Hause gelaufen sind.

Am nächsten Morgen sind wir dann früh raus, weil wir einen Morgenspaziergang gemacht haben, um unsere Fahrräder fast am anderen Ende der Stadt abzuholen. Wir hatten den perfekten Plan: Wir tun so, als ob wir kein Wort japanisch sprechen und deshalb auch nichts von Verbot gelesen haben und es stand ja eh alles voller Fahrräder…!! Der Plan ging allerdings zu 100% nach hinten los, da der alte Fahrradplatz-Beamte natürlich kein Wort englisch sprach und uns die ganze Zeit angeschaut hat wie ein Auto. Als er uns dann noch erklären wollte, dass wir 20€ bezahlen müssen, um die Räder zurück zu bekommen, und nicht gemerkt hat, dass der Betrag auf dem Infoblatt stand, den wir alle bekommen haben, haben wir uns innerlich kaputtgelacht, weil wir auch jedes Wort verstanden haben, jedoch nicht plötzlich anfangen könnten auf japanisch zu reden. Als schließlich jedoch ein kluger Beamten-Kollege kam und ihm vorgeschlagen hat, den Betrag auf einen Zettel zu schreiben, haben wir die 20€ schon fast für die gute Show, die uns geboten wurde bezahlt.

Wenigstens waren wir überglücklich, unsere Fahrräder wieder zurückbekommen zu haben.

Da auch die Leo mit ihrer Familie gerade in Kyoto war, haben wir uns Abends mit ihr noch in unserer Wohnung getroffen und sind in den Butterfly-Club gefahren (diesmal blieben die Fahrräder auch dort, wo wir sie abgestellt haben!)

Am 08. April (Sonntag) dann haben wir uns nochmal mit ihr, Atsushi, Risa, Yukima und Roman getroffen, um zusammen Hanami zu machen, also Kirschblüten anzuschauen. Da wir bereits am Vortag getrunken haben, waren wir an diesem Tag mit dem Alkohol allerdings Hanami-untypisch sparsam. Aber es war ein soooo schöner Nachmittag: Wir saßen am Kamo-gawa, zusammen mit noch anderen gleichgesinnten Japanern, hatten viel selbstgemachtes und gekauftes Essen, ein 1A Picknick also, das Wetter hat gestimmt und die Laune war super!

 

 

Unsere Hanami-Gruppe (ohne Roman)

Die Japaner machen sich auf den Heimweg mit ihrem ganzen Müll im Schlepptau^^

Montag ist der Roman dann wieder zurück nach Tokyo und für Daniel und mich ging die Uni los. Alles in allem waren das die besten Semesterferien die ich wohl je hatte und haben werde!:D

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